Rapper referierte über Rassismus und Toleranz

Musiker 2schneidig rappt in der Melanchthon-Schule Steinatal gegen Vorurteile

+
Hinterließ einen starken Eindruck: Rapper Martin Rietsch  (hinten) alias 2schneidig, der an der Melanchthon-Schule zu Gast war. Der Rapper referierte, befragte die Kinder und tanzte mit ihnen.

Steinatal. Ein Rapper, der Autogramme gibt. Ein ausgezeichneter Preisträger mit dem Fair-Play-Preis des Deutschen Sports. Ein Botschafter gegen Rassismus und für Toleranz: Martin Rietsch.

Das alles bekamen 110 Sechstklässler der Melanchthon-Schule Steinatal am Dienstag geboten. Und zwar in Personalunion durch Martin Rietsch, der als Künstler unter dem Namen 2schneidig firmiert.

„Die Kinder sind begeistert. Er kann super mit ihnen umgehen und bietet ein kurzweiliges Programm“, lobte Cornelia Herrmann. Die Schulsozialarbeiterin hatte den international bekannten Musiker zusammen mit der für das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zuständigen Lehrerin Stefanie Wagner gebucht. Finanziert wurde es größtenteils mit Fördermitteln der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck.

Schon seit 16 Jahren tritt der Sohn eines nigerianischen Vaters und einer deutschen Mutter in Schulen auf. Etwa 70 bis 80 Veranstaltungen sind es laut

seiner Mitarbeiterin Elisabeth Meyer pro Jahr –und zwar auch in Brasilien und Ägypten. „Er gibt Einblick in ein Leben, das vielen nicht so nahe ist“, erklärte Meyer.  Das macht der Mann aus dem Weserbergland, der sein Alter geheim hält, mit Anekdoten. Etwa, als ihn in Magdeburg abends auf offener Straße ein Schuss nur knapp verfehlte, aber die Scheibe seines Autos traf. Als ob das nicht schon schlimm genug gewesen wäre, habe ihm die Polizei nicht helfen wollen und ihn herablassend behandelt.

Noch heftiger war eine Erfahrung aus dem Jahr 2009. Da trat er im sächsischen Mittweida an einer Schule auf. Beim Abendspaziergang traf ihn fast der Schlag. Es gab dort Aufkleber für die Aktion Noteingang: Offizielle Wegweiser in mehreren Sprachen für den Fall, dass Menschen anderer Herkunft verfolgt werden. „Nur 30 Prozent der Geschäfte haben mitgemacht. Aber es ist traurig genug, dass es solche Initiativen heute überhaupt noch gibt“, sagte Rietsch. Der anschließende Gang durch eine Mehrzahl kurzhaariger Jugendlicher mit Bomberjacken und Springerstiefeln sei „einer der härtesten meines Lebens gewesen“.

Der Musiker beweist hingegen Humor. Bei Gruppenarbeiten und Spielen gab es neben CD’s und Postern ein ganz besonderes Geschenk. Er mimte einen Kussmund und fragte: „Wer möchte einen Schokokuss?“ Das kam ebenso an wie diverse Rapeinlagen und Tanzelemente des HipHop.

„Wir hatten die Kinder mit Videos vorbereitet. In anderen Ländern ist er viel bekannter als bei uns“, sagte Cornelia Herrmann. Zudem sahen alle den Film „Schwarzfahrer“, der 1994 mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. In Schwarz-Weiß-Bildern erzählt er die Geschichte eines jungen Schwarzen, der in einer Berliner Straßenbahn von einer älteren Frau wegen seiner Hautfarbe beschimpft wird. Die anderen Fahrgäste verfolgen das Geschehen stumm. Das würden die Steinataler Kinder gewiss besser machen.

Quelle: HNA

Kommentare