Skurrile Geschichte aus Günsterode

Hirsch hatte Erdbeeren zum Fressen gern: 1981 plünderte er Gärten und wurde erschossen

Günsterode. Bis Ende Januar ist noch die Abschuss-Saison für Rotwild. Gerade in dieser Zeit verirren sich Rehe gerne in Gärten, da sie Salat mögen. Beim Stöbern ist uns zu diesem Thema eine skurrile Geschichte mit einem Hirsch aus dem Jahr 1981 in die Hände gefallen.

Er hatte keine Zähne und konnte deshalb nur weiches Obst fressen. Seine Leibspeise waren Erdbeeren, am liebsten die aus den Gärten der Günsteroder. Deshalb ist er unter dem Namen Erdbeerhirsch auch noch vielen Günsterodern ein Begriff. 1982 wurde er erschossen.

„Der Hirsch hat ab Frühjahr 1981 im Ort sein Unwesen getrieben“, sagt Georg Kühlborn, der in dieser Zeit Ortsvorsteher war. Er sei immer nachts gekommen und habe sich durch die Gärten gefressen.

Dabei wurde der Vierzehnender, ein nach dem Geweih zu urteilen starker Hirsch, immer dreister und ließ sich neben Obst auch Saatgut schmecken. „Der Erdbeerhirsch war schon 18 Jahre alt und völlig zahnlos“, erinnert sich Kühlborn. Er sei nur aus Nahrungsnot so zahm geworden und in den Ort gekommen.

Die Versuche der Bürger, das Tier von ihren Gärten fernzuhalten, misslangen. Auch eingezäunte Grundstücke hielten ihn nicht davon ab, Obst und Gemüse zu fressen. Im Winter 1981 sei es nochmal schlimmer geworden.

Der Hirsch habe sogar in den Mülltonnen nach Nahrung gesucht. Das habe beträchtlichen Schaden angerichtet. Dabei ging von ihm keine Gefahr aus, Hirsche sind tollwutunverdächtig. „Der hatte nur nicht alle Tassen im Schrank“, sagt Kühlborn. Trotzdem mussten die Günsteroder etwas tun, um den Hirsch loszuwerden.

„Wir hatten zahlreiche Pläne, wie wir ihn loswerden, ohne ihn umzubringen“, sagt der ehemalige Ortsvorsteher. Eine Möglichkeit sei gewesen, ihn mit dem Lasso zu fangen, sie wurde aber wieder verworfen.

Um ihn nicht unnötig zu quälen, hat der zuständige Förster Gustav Bleichert ihn dann Ende April 1982 erschossen.

Verhalten bei Rehen im Garten 

Christian Peter Foet, Forstamtsleiter des Forstamtes Melsungen hat die wichtigsten Fragen zu Tieren im Garten beantwortet.

Kommt es oft vor, dass ein Hirsch in den Ort kommt? 

• selten, Hirsche sind sehr scheu

• Wenn die Hirsche alt sind, können sie hartes Gras und Brombeeren nicht mehr fressen. Sie suchen dann weiche Nahrung.

Warum kommen Tiere in die Gärten? 

• Zwischen April und September haben Rehe häufiger Hunger auf Salat

• Im Winter nagen sie gerne an Büschen

Wie sollte man sich verhalten, wenn ein Reh oder Hirsch im Garten sind? 

• keine Angst vor ihm haben

• Ruhe bewahren, Tier nicht in Panik versetzen

• nicht anfüttern

• Ist es ein Hirsch, den Jadgpächter anrufen

• sich dem Tier nicht näheren.

Von Leona Nieswandt

Quelle: HNA

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