Es drohen Verluste von 150.000 Euro

Hirsche bringen Gütesiegel des Zierenberger Stadtwalds in Gefahr

Zierenberg. Der Zierenberger Stadtwald droht eine wichtige Zertifizierung zu verlieren. Der Verlust der so genannten PEFC-Zertifizierung würde für die Stadt Zierenberg einen wirtschaftlichen Schaden von circa 210.000 Euro jährlich bedeuten.

Bisher wirft der Wald laut Bürgermeister Stefan Denn einen Gewinn von 60.000 Euro im Jahr ab, doch ohne das Zertifikat drohen Einbußen von 150.000 Euro für den gleichen Zeitraum.

Grund für den drohenden Verlust sind massive Schälschäden in einigen Bereichen des Stadtwaldes. Schälschäden entstehen beim Abziehen der Rinde durch Rotwild. Das Holz der betroffenen Bäume kann dann nicht mehr zum gleichen Wert verkauft werden. Circa 10.000 Kubikmeter Holz werden laut Theodor Arend von Hessen-Forst - die Behörde bewirtschaftet den Stadtwald - jährlich geschlagen.

Die Untere Jagdbehörde in Hofgeismar reagierte mit einer Abschussanordnung, die den Pächtern vorschreibt, wie viele Tiere erlegt werden müssen. Arnold Weiß, Leiter des Rotwildringes Wattenberg-Weidelsburg, sieht im Abschuss des halben Bestandes eine Gefährdung für das Rotwild im Zierenberger Stadtwald: „Wir sind jetzt schon an der Untergrenze für eine Population.“

Die Zertifizierung hat der Stadtwald im Jahre 2002 erhalten. Bei einer Nachschau waren 2011 die Mängel festgestellt worden. Im Spätsommer 2014 wollen die Zertifizierer die Waldentwicklung erneut überprüfen.

Nach der schlechten Beurteilung im Sommer 2011 wurde gehandelt, um die Zahl der Schälschäden zu verringen. Ob erfolgreich oder nicht, dazu haben Sachverständige unterschiedliche Meinungen.

„Eine Besserung des Problems ist ausschlaggebend“, sagt Daniel Fritz, PEFC-Mitarbeiter. Um das Zertifikat zu behalten reiche es demnach nicht aus, lediglich Vorkehrungen zu treffen.

Zu viel Rotwild im Wald?

Zierenberg. Knabbern die Hirsche im Zierenberger Stdatwald weiter die Rinde junger Bäume an, ist es bald vorbei mit zertifiziertem Holz aus dem heimischen Wald. Hessen-Forst und die Untere Jagdbehörde sehen die Ursache in einem zu großen Wildbestand. Naturschützer halten dagegen.

„Wenn das Rotwild artgerecht leben kann, gibt es diese Schäden nicht“. sagt Arnold Weiß, Leiter des Rotwildhegerings Wattenberg-Weidelsburg. Doch im Bereich von Gudenberg und Bärenberg, wo sich die Tiere verstärkt aufhalten, werden sie von Mountainbikern und Forstarbeiten gestört. Freie Flächen als Ausweichmöglichkeit zum Äsen fehlten bisher.

Stefan Denn, Zierenbergs Bürgermeister, hat schon vor längerer Zeit Mittel genannt, die weitere Schäden verhindern sollen. Neben der Schaffung von Äsungsflächen sind das Jagdpausen und künstliche Schutzmäntel für die Bäume. Außerdem hat die Untere Jagdbehörde angeordnet, mehr Tiere zu schießen als in den vergangenen Jahren.

Zwischen 90 und 100 Tiere leben derzeit im Rotwildgebiet Wattenberg-Weidelsburg. Zum Abschuss freigegeben sind 29 Tiere. Diese Zahl darf um 30 Prozent überschritten werden. Die Untere Jagdbehörde verlangt zusätzlich 15 weitere Tiere im Stadtwald Zierenberg bis Ende August abzuschießen. Erfüllen die Jagdpächter diese Anordnung nicht, setzt die Untere Jagdbehörde ersatzweise andere Jäger ein – auf Kosten der Jagdpächter.

Zuviel für die Naturschützer: „Wird in diesem Jahr der halbe Bestand geschossen, besteht die Gefahr, dass das Rotwild bald ganz aus den heimischen Wäldern verschwindet“, sagt Arnold Weiß.

Der Erfolg der Maßnahmen bisher? Gleich Null. Der Schaden ist seit 2011 sogar noch größer geworden, sind sich alle Beteiligten einig.

Laut Bürgermeister Stefan Denn kommt es für den Erhalt des Zertifikats aber vielmehr darauf an, dass die entsprechenden Gegenmaßnahmen getroffen werden. „Ich gucke der Nachschau zwar nicht entspannt entgegen, glaube aber an den Erhalt der Zertifizierung“, sagt er.

Von Lasse Deppe

Quelle: HNA

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