Museumsleiter und Buchautor: Jürgen Römer veröffentlicht seinen ersten Roman

Ein Historiker zwinkert

Nicht in Stein gemeißelt: Jürgen Römer vor einem romanischen Torbogen des Wolfhager Regionalmuseums. Mit seinem Roman „Stuzzel“ will der Leiter des Wolfhager Regionalmuseums der Romanik-Zeit Leben einhauchen. Foto: Schleichert

Wolfhagen. Sein erster Roman steckt noch in Plastikfolie. Jürgen Römer enthüllt ihn. Dabei umgibt die beiden eine stille Feierlichkeit. „Fassen Sie mal an“, sagt Römer und reibt ein bedrucktes Papier zwischen den Fingerkuppen, „das ist Qualität.“

432 Seiten, doppelt geschützt von Einband und Schutzumschlag in Fichtengrün, sind Jürgen Römers kleiner Stolz. „Stuzzel“ heißt der Debütroman des Wolfhager Museumsdirektors – sein Titel schürt keine kollektiven Erwartungen, wohl aber sein Autor. Wer einen historischen Roman erwartet, wird bestätigt. Oder enttäuscht?

„Die wenigsten historischen Romane taugen etwas“, sagt Jürgen Römer in einem Tonfall, der unaufdringlich klarstellt: Seiner, der gehört zu den Wenigen. Und er taugt, weil er sich in kein Genre pressen lässt: „Der Leser kann es als Strandlektüre lesen, als Rätselspiel, als Parodie, als Buch, das nachdenklich stimmt –“, sagt Römer und holt Luft. Was sein Buch nicht ist, fasst er in einen Atemzug: „Romantisch verquarzt.“

Römer formuliert Eigenlob, das nicht stinkt. Und kann sich mehrfach verrenken, ohne sich zu verbiegen: Er ist Historiker, aber schreibt lebendig. Sein Fachwissen trägt er nicht mit strenger Schulmeister-Mine vor, sondern mit einem Augenzwinkern. Er suggeriert dem Leser: Ich bin nicht schlauer als du.

Authentisch ohne Kostüm

Der Historiker Römer muss sich manchmal zurücknehmen. Der Schriftsteller Römer hat für sich ein gutes Maß gefunden: „Ich spiele mit der historischen Wahrheit“, sagt er. Sein Roman ist Fikition, sein Protagonist erfunden – „aber ich habe meine Romanfiguren nicht in Kostüme gesteckt und in Arrangements gestellt.“

„Stuzzel“ soll authentisch sein. „Ein Mensch des 13. Jahrhunderts hätte den Roman so schreiben können“, sagt Römer.

Das Wort „Sekunde“ zum Beispiel: „Sekunden kannten die Menschen im 13. Jahrhundert nicht – auch Stuzzel nicht“, erklärt Römer. Er verbannte das Wort nachträglich aus seinem Roman. „Der Korrektheit wegen“, sagt der Historiker Römer, und der Schriftsteller Römer strafft das fichtengrüne Lesebändchen, das zwischen zwei Seiten liegt, schaut auf und fragt mit einem Lächeln: „ist es nicht wunderbar, dieses Leseband?“

Von Pia Schleichert

Quelle: HNA

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