HNA-Interview: Bürgermeister Bernd Heßler über Ärger, Amt und Ambitionen

Er will noch bleiben: Borkens Bürgermeister Bernd Heßler will Rathauschef bleiben. Foto: Dellit

Borken. Bernd Heßler ist seit 1987 Bürgermeister von Borken. An den Ruhestand denkt er noch nicht. Im HNA-Interview erklärt er, warum er für eine weitere Amtszeit antritt.

Sie bewerben sich für einen Job, den außer Ihnen keiner haben will. Warum tun Sie sich das nochmal an?

Bernd Heßler: Ob den Job keiner haben will oder ob man sagt: das ist ein Kandidat, gegen den ich nicht antreten will - das will ich mal dahingestellt sein lassen.

Ich persönlich bin in Borken aus Idealismus. Bei der Karriere, die ich bei der Wintershall und BASF hatte, hätte kein Mensch ohne Idealismus ein Bürgermeisteramt in Borken angenommen.

Kann der Wähler davon ausgehen, dass Sie bis zum Ende der Legislaturperiode im Amt bleiben werden?

Heßler: Der Bürgermeister wird für sechs Jahre gewählt. Punkt.

Wäre es Ihnen lieber, einen Konkurrenten zu haben?

Heßler: Ich will nicht heucheln. Natürlich ist es angenehm, keinen Gegenkandidaten zu haben, aber man muss ja auch erst gewählt werden. Die Motivation ist also da.

Dann muss man sich selbst ein Ziel setzen. Wie viel Prozent Zustimmung streben Sie an?

Heßler: Wenn man 24 Jahre Bürgermeister und 40 Jahre in der Kommunalpolitik ist, hat man natürlich nicht nur Freunde. Wenn ich gewählt werde, bin ich zufrieden. Aber irgendwelche Prognosen abzugeben, halte ich für unnötig.

Schauen wir auf die Wahlperiode zurück. Was ist aus Ihrer Sicht richtig gut gelaufen?

Heßler: Es ist gelungen, dass die Parteien und Gruppen und ich im Stadtparlament eine gute Zusammenarbeit gepflegt haben - zum Wohl der Bürger.

Was ging daneben?

Heßler: Ich bin mit den Zielen und Ergebnissen der vergangenen Jahre sehr zufrieden.

Also gab es nichts, das gar nicht geklappt hat?

Heßler: Nein.

Den größten Ärger gab es um die Anliegergebühren für Kläranlagen. Haben Sie da Fehler gemacht?

Heßler: Es gibt da keinen Ärger. Wir haben eine hessische Gesetzgebung und ein kommunales Abgabengesetz, und auch die Stadt Borken muss sich danach richten.

Die Bürger, für die diese Anlagen gebaut werden, müssen ihren Beitrag leisten. Wir haben das mit großer Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Dass sich manche Bürger ungerecht behandelt fühlen, halte ich für ganz normal. Das ist kein Ärger, sondern das Recht des Bürgers.

Die Gerichte haben bisher das bestätigt, was die Stadtverordneten beschlossen haben.

Wie geht es in dieser Sache weiter?

Heßler: Nachdem das Verwaltungsgericht in erster Instanz unsere Rechtsauffassung bestätigt hat, hat die Klägerseite Revision eingelegt. Auch das ist okay.Der Verwaltungsgerichtshof soll sich nun damit befassen, aber es gibt noch keine Entscheidung, ob das Verfahren eröffnet wird.

Nun ein Blick nach vorne. Was muss in Borken unbedingt angegangen werden?

Heßler: Wir wollen die Lebens- und Wohnqualität weiter verbessern. Wir wollen Arbeitsplätze schaffen, das ist das Wichtigste. Wir wollen die Freizeitangebote verändern und haben da bereits hervorragende Grundlagen mit dem Kulturkalender und dem Borkener Seenland. Und ganz wichtig ist die Familienfreundlichkeit. (ode)

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Quelle: HNA

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