HNA-Interview mit Bürgermeister Tigges über Leerstände in Spangenberg

Spangenberg. Der Schlecker-Markt macht Ende August dicht, Lidl will bald umziehen, in der Innenstadt stehen Geschäfte leer – über die Leerstände in Spangenberg sprachen wir mit Bürgermeister Peter Tigges.

Der Schlecker-Markt schließt in Spangenberg – was bedeutet das für die Stadt Spangenberg?

Peter Tigges: Es ist ausgesprochen schade für Spangenberg und bedeutet ein eingeschränktes Warenangebot.

Wenige Meter daneben steht der Lidl-Markt. Der plant umzuziehen – wohin?

Tigges: Lidl will im Bereich Jahnstraße/Heinrich-Bender-Straße neu bauen. Der Bauantrag wurde bereits gestellt und von der Stadt positiv beschieden. Ich habe aber noch nicht gehört, wann mit dem Neubau begonnen werden soll.

Was wird aus dem alten Lidl-Gebäude?

Tigges: Es liegen wohl noch keine genauen Planungen vor. Ich bin aber optimistisch, dass es eine wiedervermietbare Immobilie ist, auch weil sie direkt an der Bundesstraße liegt.

Dennoch stehen erstmal zwei große Gebäude am Eingangstor der Stadt leer.

Tigges: Lidl liegt am Eingangstor der Stadt, aber Schlecker nicht wirklich, da das Gebäude zurückversetzt ist und nicht so dominant in Erscheinung tritt.

Nicht zu übersehen sind aber die Leerstände in der Kernstadt.

Tigges: Beim Durchgehen sieht man fast keine Leerstände, nur wenige Geschäfte sind wirklich leer. Tatsächlich ist es so, dass in der Innenstadt weniger Einzelhandelsgeschäfte vorhanden sind, sondern eher Dienstleister wie Pflegedienste, Fitnessstudio, Fahrschule und Versicherungsagentur.

Allein in der Burgstraße stehen mehrere Geschäftsräume leer.

Tigges: Die Burgstraße hat gewonnen, seit dort die Metzgerei mit einem neuen Pächter wieder geöffnet hat. Und gegenüber ist ein türkischer Laden mit Lebensmitteln. Die Burgstraße hat dadurch Aufwind bekommen, es gibt also ein paar positive Pflänzchen. Wir sind schon lange über Förderprogramme wie das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt schwerpunktmäßig dran, Marktplatz und Klosterstraße mit Leben zu füllen.

Was ist dabei das Problem?

Tigges: Die Klosterstraße ist sehr steil und fußläufig schwer zu erschließen. Das ist ein großes Problem. Für die Menschen ist es einfacher, direkt zu den Supermärkten mit einem Vollsortiment zu fahren. Wir sind aber sehr froh, dass zumindest ein Supermarkt am Eingang unserer Altstadt liegt und nicht draußen auf der grünen Wiese.

Und was fehlt in der Innenstadt?

Tigges: Spontan würde ich zum Beispiel einen Schuhladen nennen – der Bekleidungsladen neben der Kreissparkasse hat leider gerade zugemacht. Aber wir benötigen ein attraktives Angebot, das die Kunden auch mal zu einem Schaufensterbummel einlädt.

Was unternimmt die Stadt für eine lebendige Innenstadt?

Tigges: Wir haben wenig Einflussmöglichkeiten. Zwei Jahre lang haben wir versucht, über eine Zwischennutzungsagentur leere Geschäfte und Wohnungen zu aktivieren. Das hat aber keine durchschlagende Wirkung gebracht. Mehrere Förderprogramme wie Soziale Stadt oder LOS waren dafür sehr effektiv. Wir haben aber den Vorteil, dass man in Spangenberg, im Gegensatz zu anderen Städten, überall kostenlos parken kann – mit Parkscheibe direkt vor dem Geschäft

Gibt es aktuelle Pläne für die Innenstadt?

Tigges: Wir müssen versuchen, über die Schönheit der Stadt Touristen zu gewinnen. Aktuell wollen wir die Attraktivität der Innenstadt noch weiter steigern, indem wir versuchen, den Schilderwildwuchs weitestgehend zu beseitigen.

Und wie könnte das aussehen?

Tigges: Wir arbeiten derzeit an einem Konzept, das Tempozonen und parkzeitbegrenzte Zonen vorsieht, ohne die jetzigen Parkmöglichkeiten entscheidend zu beschneiden. An den Einfallstraßen zur Kernstadt könnten Schilder für zum Beispiel Tempo-20-Zonen und Parken nur auf gekennzeichneten Flächen aufgestellt werden.

Quelle: HNA

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