HNA-Interview zum Einkaufszentrum Homberg: "Mut haben, Dinge zu verändern"

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Die Homberger Altstadt im Wandel: Der einst lebendige Einkaufsstandort soll künftig ein attraktiver Standort für Handel, Dienstleistung und Wohnen werden, sagt Bürgermeister Dr. Nico Ritz.

Homberg. Eine funktionierende Innenstadt braucht einen attraktiven Einzelhandel. In Homberg wird jetzt das Einzelhandelskonzept aus dem Jahr 2011 überarbeitet.

HNA-Redakteurin Maja Yüce sprach darüber mit Hombergs Bürgermeister Dr. Nico Ritz.

Wie geht es weiter mit dem Einzelhandel in Homberg? 

Dr. Nico Ritz: Wie es weitergeht, ist abhängig davon, ob der Gesamtangebotsmix stimmt. Der ist derzeit in der Innenstadt nicht vollständig abgebildet. Und es ist auch abhängig davon, wie die Entwicklung rund um die Drehscheibe aussehen wird.

Welche Rolle spielt das Einkaufszentrum? 

Ritz: Damit kommen wir dem Ziel, eine vollständige Sortimentsliste in der Innenstadt abzubilden, sehr viel näher. Man kann dann einen Einkaufszettel mit den Dingen für den alltäglichen Bedarf in der Innenstadt abarbeiten. Momentan geht das leider nicht.

Kleine Händler fürchten um ihre Existenz, wenn das Einkaufszentrum kommt. Was sagen Sie ihnen? 

Ritz: Ich verstehe die Sorgen, muss aber sagen, dass ich die weitaus größere Gefahr für die Existenz der Händler darin sehe, nichts zu ändern. Die Abwanderung des Drogeriemarktes Rossmann in das Efze-Center im Osterbach hat gezeigt, zu was das führen kann. Sollte sich aber durch das Einkaufszentrum der Einzelhandel in Homberg insgesamt attraktiver gestalten, erhöht sich der Reiz, sich in der Innenstadt anzusiedeln.

Dadurch entstünde doch weitere Konkurrenz ... 

Ritz: Die kann aber auch eine Chance für den Einzelhandel sein, weil der Standort attraktiver wird. Das Einkaufszentrum ist kein Garant dafür, dass jeder profitiert. Aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit, im Wettbewerb mit der Konkurrenz „auf der grünen Wiese“ zu bestehen.

Laut des Einzelhandelskonzeptes wird die Kaufkraft abnehmen. Wird in Homberg dann überhaupt genug eingekauft, damit sich das trägt?

Ritz: Die Versorgungsfunktion der Stadt wird ohne Frage gestärkt. Momentan hinken wir da als Mittelzentrum deutlich hinterher. Und da es sich in wesentlichen Bereichen um eine Verlagerung und Optimierung handelt, dehnen wir das Angebot nicht uferlos aus.

Trotzdem wird durch das Einkaufszentrum Kaufkraft abgezogen werden. Wer wird zu den Verlieren gehören? 

Dr. Nico Ritz

Ritz: Im Lebensmittelbereich wird es eine größere Verschiebung geben, weil der Rewe-Markt in das Einkaufszentrum umziehen wird. Momentan haben wir eine zweipolige Situation - Innenstadt und Osterbach. Schon seit vielen Jahren findet hier eine Verschiebung in Richtung Osterbach statt. Wenn das Pendel mal wieder in die andere Richtung ausschlägt, wäre das für den Gesamtstandort Homberg eine gesunde Entwicklung.

Kann die Altstadt denn wieder zu einem lebendigen und attraktiven Standort werden? 

Ritz: Sie wird sich verändern. Einzelhandel allein ist sicher nicht das richtige Konzept für die Altstadt: Sie wird kein riesiges Einkaufszentrum werden. Es gibt bereits weniger Handelsflächen, und man muss hier auch in Zukunft daran arbeiten, Flächen zusammenzulegen oder zu verknappen.

Wie wird sich die Altstadt wandeln? 

Ritz: Ich sehe sie als attraktiven Standort für Handel, Dienstleistung und Wohnen. Wir wenden uns diesem Strukturwandel endlich aktiv zu, etwa durch die Entscheidung für einen Kindergarten in der Altstadt, den Kauf des Erdgeschosses im Haus Marktplatz 15, das jetzt zügig entwickelt werden wird, und die Umsetzung des Nutzungskonzeptes für die ehemalige Engelapotheke.

Welche Rolle spielt die Gastronomie in der Innenstadt? 

Ritz: Sie ist eine Schlüsselbranche für die Altstadt. Wir haben eine herausragende Kulisse in Homberg, doch sie allein ist zu wenig, damit Gäste und Einheimische Zeit in der Altstadt verbringen. Gastronomisch haben wir noch erhebliches Entwicklungspotenzial.

Wie wichtig ist das Einzelhandelskonzept für die Stadtentwicklung? 

Ritz: Es ist sehr wichtig, weil es uns selbst eine klare Struktur gibt für die Planung künftiger Handelsflächen.Das Einzelhandelskonzept ist kein „Wünsch-dir-was-Papier“, es ist eine Empfehlung, wie wir mit dem Bestand umgehen sollten. Damit ist es auch gut für alle, die in der Innenstadt investieren wollen. Sie wissen, dass wir keine zentrenrelevanten Handelsflächen außerhalb zulassen werden.

Was ist die größte Hürde? 

Ritz: Gemeinsam den Mut zu haben, Dinge zu verändern. Veränderung erreicht man nur, wenn man ehrlich über die Probleme spricht und sie dann auch aktiv angeht. Ein plakatives Beispiel ist der östliche Bereich des Marktplatzes: Das ist ein großes städtebauliches Problem. Dort gibt es eklatante Leerstandsprobleme. Entweder man findet sich damit ab oder greift ein.

Greift man ein, wird es schnell teuer ... 

Ritz: Ja, man muss auch so ehrlich sein und sagen, dass es nicht alle Veränderungen zum Nulltarif gibt.

Der zusätzliche Verkehr durch das Einkaufszentrum wird als Knackpunkt gesehen. Wie wird er sich auswirken? 

Ritz: Das ist - ohne Frage - ein Zielkonflikt: Einerseits wünschen wir uns mehr Menschen in der Stadt und auf der anderen Seite wollen wir den Verkehr, der damit einhergeht, nicht. Wenn wir eine höhere Kunden- und Besucherfrequenz haben wollen, ist der Verkehr das notwendige Übel. Unsere Aufgabe ist es, ihn bestmöglich zu organisieren - verhindern lässt er sich nicht.

Quelle: HNA

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