HNA-Rundgang

Wagenfurths Warten auf DSL: Nur langsam ins Internet

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In unserer Reihe "Blick über den Gartenzaun" besuchen wir am heutigen Montag den Körler Ortsteil Wagenfurth.

Wagenfurth. "Was ich hier liebe, ist die Ruhe", sagt Ortsvorsteher Manfred Schäfer beim Rundgang durch Wagenfurth. Autolärm gibt es in dem Körler Ortsteil nicht: Ab und zu rollt ein Traktor vorbei, und viele Radfahrer sind unterwegs. Schließlich führt der Fuldaradweg direkt durch den Ort.

Davon profitieren die Gastwirte am Wegesrand, etwa Helmut und Edeltraut Suchy, die seit dem Frühjahr 2011 das Landgasthaus neben der Kirche betreiben. Weil bei schönem Wetter die Nachfrage nach Plätzen im Biergarten groß ist, stellen sie Tische und Stühle bei Bedarf auch auf den angrenzenden Dorfplatz vor der Kirche.

Doch das ärgert einige Anwohner. "Wenn ich mit meinem Enkel da durch will, muss ich auf die Straße ausweichen", sagt ein Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Und eine Frau, die ebenfalls nicht namentlich genannt werden möchte, erzählt, dass Konfirmanden der Weg zum Gottesdienst versperrt war.

Edeltraut Suchy weist die Vorwürfe zurück: Bei ihr habe sich noch niemand aus dem Ort über die Bestuhlung auf dem Dorfplatz beschwert. "Außerdem haben wir dafür die Genehmigung von Gemeinde und Kirche." Das bestätigt auch Bürgermeister Mario Gerhold. "Wir sehen da keinen Handlungsbedarf", sagt er. "Wir freuen uns, dass so viele Gäste kommen." Wegen der Behinderungen bei der Konfirmation habe es zwar eine Beschwerde beim Ordnungsamt gegeben. "Aber das war die Ausnahme."

Ortsvorsteher Schäfer weiß von dem Ärger der Dorfbewohner über den erweiterten Biergarten. Er zuckt die Achseln: "Wenn die Gemeinde das zulässt - was haben wir denn da für eine Chance?"

Bilder des Rundgangs

HNA-Rundgang durch Wagenfurth

Es gibt noch ein paar andere Dinge, die den Menschen im Ort auf den Nägeln brennen. "Was die Leute beschäftigt, ist die Brücke", sagt der Ortsvorsteher. Genauer gesagt, die vielen Schlaglöcher, die auf der Brücke im Asphalt klaffen. Eigentlich sollten die Schäden schon vor sieben Wochen behoben werden, sagt Schäfer. Aber getan habe sich seither nichts.

Nichts passiert sei auch beim DSL-Anschluss für Wagenfurth, den die Telekommunikationsgesellschaft Netcom schaffen sollte: "Die Leitung hört in Lobenhausen auf", erklärt Schäfer. "Wir haben hier viele Gewerbetreibende, für die ist das langsame Internet eine Katastrophe." Seit zwei Jahren warten die Wagenfurther darauf, schneller im Netz surfen zu können. Vielleicht ist das der Preis, den sie für die Ruhe in ihrem Ort zahlen.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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