Hinrichtungen im Mittelalter

HNA-Serie über Berge im Wolfhager Land: Der Gotzenberg

Am Sühnekreuz am Fuße des Gotzenberges: Es erinnert an den Tod einer jungen Frau. Sie wurde im Jahr 1724 hingerichtet, weil sie angeblich ihr uneheliches Baby in einen Brunnen in der Burgstraße geworfen haben soll. Fotos: Thon

Das Wolfhager Land ist vor allem geprägt von seiner hügeligen Landschaft. In einer Serie stellen wir einzelne und besonders charakteristische Berge und ihre Bedeutung für die Menschen in der Region vor. Dieses Mal widmen wir uns dem Gotzenberg bei Wolfhagen.

In der Landschaft nimmt man ihn kaum als Berg wahr. Der 308 Meter kleine Gotzenberg erstreckt sich zwischen Wolfhagen und Bründersen. Der Form nach ist er eher eine langgezogene Erhebung und so flach, dass man Mühe hat, ihn gegen den Horizont abzugrenzen. Und doch handelt es sich beim Gotzenberg und dem etwas tiefer gelegenen Galgenberg um Orte, die in der Stadtgeschichte Wolfhagens von Bedeutung waren, sagt Richard Mangold.

Der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins hält eine etwa 230 Jahre Flurkarte in seinen Händen. In ihr geben die Flurnamen Hinweis auf die Richtstätte, die es bis ins frühe 18. Jahrhundert anderthalb Kilometer außerhalb der Stadt gegeben hatte. Die Bereiche „Galgenberg“ und „Auf dem Gotzenberge“ sind dort als städtisches Land eingetragen. Heute erinnern zwei Gedenksteine an die Richtstätte, an der im Jahr 1724 letztmalig ein Todesurteil vollstreckt worden sein soll - zu unrecht wie es heißt. Leidtragende war die Magd Maria Horn. Sie wurde am Galgenberg gehängt. Der Vorwurf: Sie soll „ihr erstgeborenes, uneheliches Kind während des Gottesdienstes am Sonntagmorgen in einen tiefen Brunnen in der Burgstraße geworfen haben“, schrieb Wilhelm Winter in einem Zeitungsartikel, den dieser im Oktober 1963 in der Heimat-Post veröffentlicht hatte.

Der Stein unterhalb der Straße von Wolfhagen nach Bründersen ist jüngeren Datums. Ihn hat der ortsansässige Heimat- und Geschichtsverein aufstellen lassen. Eine Holzbank daneben im kniehohen Gras lädt zum Verweilen an diesem schaurig-schönen Ort ein, von dem aus Spaziergänger einen lohnenden Blick auf Wolfhagen und die Stadtkirche im Zentrum genießen können. Weiter oberhalb steht ein Steinkreuz, das als Sühnekreuz bekannt ist. Das Symbol auf dem Stein ist sehr stark verwittert. Autor Winter vermerkte aber in seinem Artikel, dass es sich bei ihm um eine umgefallene Sanduhr handelt, das wiederum auf ein Kreuz Hinweis gibt, welches noch viel älter ist.

Rosenstrauch, ewiges Grün und vielerlei Beteuerungen umrankten dieses Steinkreuz, offenbar in der Annahme, dass die Magd im Jahr 1724 zu unrecht zum Tode verurteilt worden war.

Bis zu diesem Zeitpunkt muss es etliche Hinrichtungen am Gotzenberg gegeben haben - wieviele genau, weiß der 76-jährige Mangold allerdings auch nicht. Bereits im 13. Jahrhundert, also kurz nach Gründung Wolfhagens, sollen Menschen vor den Toren der Stadt erhängt oder geköpft worden sein.

„Das Perfide daran war, dass sie bei der Vollstreckung des Urteils noch einmal einen letzten Blick auf die Stadt richten konnten“, sagt Mangold. Bei den Verurteilten handelte es sich in erster Linie um Diebe und Wegelagerer. Früher seien die Menschen arm und die Versuchung groß gewesen, sich fremdes Eigentum anzueignen, sagt Mangold. Beim stillgelegten, alten Wasserwerk gibt es eine Mulde, dort wurden die Kriminellen enthauptet.(ant)

Quelle: HNA

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