HNA-Volontär beim Winterlauf: Glücklich nach der Tour des Leidens

Geschafft: HNA-Volontär Dominik Brück kommt nach einer Stunde und 40 Minuten ins Ziel, getragen vom Applaus des Publikums. Er ist platt, aber glücklich. Foto:  Michl

Ippinghausen. Gerade einmal zwei Wochen nahm sich HNA-Volontär Dominik Brück Zeit, um für seine Teilnahme am Ippinghäuser Winterlauf zu trainieren. Am Sonntagvormittag ging er an den Start. Vor ihm lag eine 15 Kilometer lange Strecke des Leidens.

Durch die zusammengebissenen Zähne presse ich Luft aus meinen Lungen und zwinge neue hinein. Die Beine stolpern den letzten Abhang bis ins Ziel, mehr, als dass sie laufen. Über die Lautsprecher kommt die Ansage: „Da ist der Volontär, jetzt nochmal alle anfeuern.“ Das Ziel tanzt vor meinen Augen. Fast geschafft, fast geschafft.

Am Sonntagmorgen fing alles harmlos an: Gut gelaunt ging es zum Sportplatz nach Ippinghausen. Zwei Wochen lang hatte ich auf diesen Moment hin trainiert. Dank der großartigen Unterstützung vieler HNA-Leser fühlte ich mich fit genug, die 15 Kilometer lange Strecke des Winterlaufs zu bewältigen. Auch meine Trainingspartnerin Lena Siebert war da, um mich zu unterstützen. Angefeuert wurde ich darüber hinaus vom Laufteam Wolfhagen und den Organisatoren des Laufs vom TSV Blau-Weiß Ippinghausen. Nur eins stand noch zwischen mir und dem Ziel: Die Berge Nordhessens sind zwar schön anzuschauen, aber ein gewaltiges Hindernis für Flachlandläufer wie mich.

250 Höhenmeter 

250 Höhenmeter müssen beim Winterlauf überwunden werden. Eine Zahl, die ich völlig unterschätzt habe. Nach dem Start lasse ich mich durch das Klatschen der Zuschauer die Bahn des Sportplatzes entlang tragen. Ein herrliches Gefühl, im Pulk der Läufer los zu düsen. Nach wenigen hundert Metern geht es den ersten Berg hoch - und der Rest ist dann Qual.

Schon nach drei Kilometern habe ich den Wunsch, einfach aufzugeben. Die Strecke führt einen engen Waldweg entlang. Der Boden ist matschig und uneben. Immer wieder geht es kleinere Anstiege hinauf, an denen ich schnaufe wie eine alte Dampflok. Bald bin ich einer der letzten. Ich merke, das mein Training vielleicht zu kurz gewesen ist. Vor mir läuft ein älterer Mann. Mit kleinen Schritten trippelt er konzentriert in unerreichbarer Entfernung vor mehr her. Sein weißes Haar leuchtet wie ein Signal. Dranbleiben, bloß nicht aufgeben.

Beine werden immer schwerer 

Auf ebener Strecke oder bergab macht Lena Tempo. Hier kann ich mithalten. Trotzdem fühle ich, wie meine Beine immer schwerer werden. Die Rettung kommt bei Kilometer sieben: Eine Frau im weihnachtlichen Engelskostüm reicht mir leicht gesüßten Tee.

Die Hälfte ist bald geschafft. Vor dem Start hatte man mir gesagt, dass noch nie jemand den Winterlauf abgebrochen hat. Ich will auf keinen Fall der erste sein. Und tatsächlich: Ich merke, dass es mir besser geht. Auf den folgenden Kilometern kann ich wieder Tempo machen, besonders weil es bergab geht.

Noch ein Kilometer 

Der Schmerz kommt bei Kilometer zwölf zurück. Steil geht der Weg nach oben. Ich kann nicht mehr und muss ein Stück gehen. Dann treibt Lena mich an. Wir schaffen es sogar, den älteren Mann zu überholen. Noch ein Kilometer bis zum Ziel. Meine Beine fühlen sich an, als würden sie jeden Moment versagen. Meine Lunge brennt wie Feuer. Dann stolpere ich den letzten Abhang hinunter. Da ist das Ziel. Noch einmal die Zähne zusammenbeißen und dann: geschafft.

Nach nur einer Stunde und 40 Minuten laufe ich durchs Ziel. Die Schmerzen sind wie weggeblasen. Ich habe es geschafft und bin überglücklich. Nicht nur deshalb will ich jetzt unbedingt weitermachen.

Teil einer tollen Läuferfamilie 

Ich fühle mich jetzt als Teil einer tollen Läuferfamilie, ohne deren Hilfe ich es nie geschafft hätte. Für dieses Gefühl quäle ich mich gerne weiter - nächstes Mal aber vielleicht erst mal ohne Berge.

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Quelle: HNA

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