Hoch hinaus zu den Douglasien

Douglasien-Ernte: Baumkletterer Kristian Roß war gestern mit seinem Team bei Morschen in den Wipfeln unterwegs. Säckeweise ernteten sie Zapfen. Fotos: C. Hartung

Morschen. Im Wald bei Morschen waren am Donnerstag die Zapfen-Pflücker zu Gange. Sie ernteten die Zapfen der Douglasien.

„Achtung, drei, zwei, eins, Sack fällt“, schallt es vom Baumwipfel. Eine Sekunde später rast ein weißer, prall mit Douglasien-Zapfen gefüllter Sack, aus 40 Metern in die Tiefe und landet auf dem weichen Waldboden. Hoch oben in den Baumkronen bei Morschen waren am Donnerstag Baumkletterer Kristian Roß (51) und sein Team zu Gange. Ihr Auftrag: Zapfen pflücken - und zwar von insgesamt 20 Douglasien. Pro Baum ernteten die Kletterer etwa 75 Kilogramm Zapfen. Aus den Zapfen werden in der Darre in Hanau-Wolfgang Samen gewonnen, eingelagert und schließlich in Baumschulen zu Bäumchen angezogen.

„Wir beernten hier besonders gute Bäume“, sagte Günter Heinzeroth von Hessen Forst. „Im Mai haben die gut geblüht.“ Alles ist dokumentiert: 99 Jahre habe jeder der Bäume auf dem Buckel.

„Wir haben den Klimawandel im Blick.“

Ab 6.30 Uhr in der Früh stiegen die Baumkletterer, bepackt mit Rucksack und Plastikkörbchen, in die Kronen. „Bevor wir die Zapfen von einem Baum pflücken, prüfen wir erstmal, ob sich die Ernte überhaupt lohnt“, erklärte Zapfen-Pflücker Kristian Roß. Dafür schneidet der Baumkletterer einige Zapfen auf und guckt, ob genügend Samen brauchbar sind. „Wenn nicht, wäre die Arbeit umsonst.“ Das heiße Wetter mache die Arbeit in den Kronen noch anstrengender. „Da ist man froh, wenn die Spitze immer mal ein bisschen Schatten spendet.“ Lieber seien ihm Temperaturen unter zehn Grad. Roß hat sich 1991 mit einem Lehrgang auf das Zapfen-Pflücken spezialisiert.

Ernte im Süden früher

Bevor es in Morschen hoch hinaus ging, war er bereits in Freiburg und Karlsruhe in den Wipfeln zur Ernte. Im Süden Deutschlands könne man - wegen der höheren Temperaturen - die Zapfen ein paar Wochen früher von den Bäumen pflücken.

Am Ende des Tages hatten die Baumkletterer rund 1,5 Tonnen Zapfen geerntet. „Das ergibt 15 Kilogramm reines Saatgut“, erklärte Heinzeroth. Jede Saatgutpartie bekommt zur Identifizierung ein Stammzertifikat, was einer Geburtsurkunde entspricht. In einem verblombten Behälter geht’s dann nach Hanau in die Darre. „Dort werden die Zapfen auf 60 Grad erhitzt, und die Samen fallen heraus.“ Tiefgekühlt bei minus zehn Grad können die Samen bis zu zehn Jahre lang gelagert werden. Etwa 375 000 kleine Douglasien-Bäumchen werden aus den Mörscher Samen entstehen. Die Ernte trage dazu bei, den Wald für den Klimawandel zu wappnen. „Wir haben den Klimawandel im Blick“, sagt Heinzeroth. Die Douglasie soll die Baumvielfalt weiter vergrößern.

Von Carolin Hartung

Quelle: HNA

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