Mehr zum Thema Sportabzeichen: Prüfer müssen sich neue Regeln erarbeiten

Höher springen fürs Gold

Mehrarbeit beim Weitsprung: Sportabzeichen-Prüfer Herbert Bauch und Jürgen Dietzel von der Melsunger Turngemeinde (von links) müssen künftig im Waldstadion beim Weitsprung öfter als bislang das Maßband anlegen und mehr Werte in Tabellen eintragen. Foto: Grugel

Schwalm-Eder. Seit 100 Jahren gibt es das Deutsche Sportabzeichen – zum Jubiläum des Fitnessordens hat der Deutsche Olympische Sportbund den Leistungskatalog grunderneuert. Worauf sich Prüfer und Sportler dieses Jahr einstellen müssen, berichtet Jürgen Dietzel von der Melsunger Turngemeinde.

Das Abzeichen kann Jedermann machen. Die Altersgrenze für Kinder fiel laut Jürgen Dietzel von acht auf sechs. Nach oben weist der neue Leistungskatalog alle Anforderungen auch für Menschen ab 90 aus. Das trifft die Turngemeinde, tritt doch auch dieses Jahr wieder der 92-jährige Herbert Wahler an, um sein 28. Goldabzeichen zu machen. Der Melsunger musste sich bislang einem Leistungskatalog für Sportler ab 80 stellen. Künftig weist die Tabelle für ihn Anforderungen für über 90-Jährige aus.

Für sein Goldabzeichen muss sich Herbert Wahler dieses Jahr etwa beim Hochsprung mehr anstrengen. Die Prüfer werden nämlich die Latte für sein Goldabzeichen fünf Zentimeter höher hängen als bislang. Fürs Bronzeabzeichen dagegen hängt sie 15 Zentimeter tiefer. Und das ist laut Dietzel neu: Zählten in der Vergangenheit alle Sportabzeichen ab einer gewissen Menge als Goldzeichen, so erhalten die Breitensportler ab diesem Jahr je nach Leistung ein Bronze-, Silber- oder Goldabzeichen.

Mit dieser Regelung kann sich Jürgen Dietzel nicht anfreunden. Gerade erfahrene Abzeichen-Sportler wollten in der Regel nicht aufgeben und ihre Leistungen sogar noch steigern. Sie hätten über Jahre Goldabzeichen erhalten und müssten sich dieses Jahr vielleicht erstmals mit einem Bronze-Orden zufrieden geben. Das widerspreche dem Ziel der Veranstaltung, den Breitensport zu fördern.

Prüfer Jürgen Dietzel sieht den neuen Leistungskatalog in Teilen kritisch. Der sei zwar mit der Unterstützung von Sportwissenschaftlern zustande gekommen, erschließe sich dem Praktiker aber nicht immer als sinnvoll.

Absprung beim Weitsprung

Als Beispiel nennt der Obmann, der selbst bereits 32 Abzeichen machte, die Regeln für den Weitsprung. Ältere müssten künftig zweimal mit links und zweimal mit rechts abspringen und hätten dabei zum Erreichen ihrer Bestleistung drei Versuche. Ein Novum für Sportler wie Prüfer. Zwar soll so die Koordination geschult werden, sagt Jürgen Dietzel zum Hintergrund. Doch die Prüfer müssen nun zeitaufwändig mehrfach das Maßband anlegen und die Werte dokumentieren – und so mancher Sportler muss zum ersten Mal im Leben mit dem linken Fuß abspringen.

„Ich kann mir ein Leben ohne Sport nicht vorstellen“, sagt Jürgen Dietzel. Der engagierte Sportler will auch weiter das Sportabzeichen abnehmen, seine Kritikpunkte am neuen Leistungskatalog aber dokumentieren und an den Sportbund schicken. (lgr)

Quelle: HNA

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