Waidmänner wollen Fallwild nun nicht mehr entsorgen

Höhere Steuern für Jäger sorgen für Unmut bei Vereinen und Pächtern

+
Finden die Steuererhöhung unfair: Der Vorsitzende der Hessenjäger Kassel, Herbert Bachmann (Mitte), und die Mitglieder (von links) Albert Clementin, Uwe Friebertshäuser, Wolfram Klein und Joachim Wadsack.

Kreis Kassel. Der Kreistag hat entschieden: Im Landkreis Kassel wurde die Jagdsteuer zum 1. April von 15 auf 20 Prozent erhöht. Für die hiesigen Jäger ist das neben der finanziellen Mehrbelastung vor allem eine Kränkung.

„Die Arbeit, die Jäger für den Naturschutz leisten, wird nicht genügend anerkannt“, beklagt Herbert Bachmann, Vorsitzender des Jagdvereins Hessenjäger Kassel. Wenn der Staat für die Leistungen zahlen müsse, die Jäger kostenfrei erbringen, würden einige Milliarden Euro zusammen kommen, ist er überzeugt. Die Anlage von Wildäckern, die Entsorgung von Fallwild (Tiere, die eines natürlichen Todes oder bei einem Verkehrsunfall starben) und die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen seien nur ein paar Beispiele dafür.

Auch sein Jagdkollege Wolfram Klein ärgert sich: „Es ist kränkend, wenn man eine freiwillige Leistung erbringt und dann jemand sagt: Schön, dass ihr das macht, aber trotzdem dürft ihr zahlen. Das ist unfair“, findet er.

Etwa 600 Euro Mehrbelastung im Jahr bedeutet die Steuererhöhung für Joachim Wadsack. Er pachtet ein 1052 Hektar großes Revier in Zierenberg. „Das sind Kosten, die auf die Ausgaben für den Jagdbetrieb noch oben drauf kommen“, erklärt er. Je höher diese Kosten würden, desto weniger könnten die Jäger noch für die Reviere tun.

Aber die finanzielle Belastung sei nur das Eine. „Etwa 50 Prozent der Gemeinden der Bundesrepublik Deutschland erheben gar keine Jagdsteuer. Dass wir sie zahlen müssen, ist ungerecht“, findet Wadsack. Als direkte Konsequenz auf den Kreistagsbeschluss kündigten die Mitglieder des Jagdvereins an: „Wir werden Fallwild nicht mehr wie bisher entsorgen. Da sind wir uns alle einig“, sagt Wadsack. Im Vorfeld der Entscheidung zur Erhöhung der Jagdsteuer war strittig, zu welchen Teilen die Wildunfallbeseitigung durch den Landkreis Kassel geleistet wird. Landkreissprecher Harald Kühlborn teilte jetzt auf HNA-Anfrage mit, dass im Zeitraum von April 2012 bis März 2013 insgesamt 1110 angefahrene Tiere registriert worden seien. Mehr als die Hälfte davon haben die Jäger beseitigt.

Genau 545 Tiere wurden von der Arbeitsfördergesellschaft des Landkreises Kassel (Agil) entsorgt, also 49,1 Prozent. Die Kosten für diese Entsorgung beliefen sich im genannten Zeitraum laut Kühlborn auf 118.000 Euro.

Die Jagdsteuer sei die einzige Steuer, auf die der Landkreis Einfluss habe. „Die Frage war, wie wir die Einnahmesituation des Landkreises erhöhen können“, so Kühlborn weiter und gibt zu Bedenken, dass die Mehreinnahmen in Höhe von etwa 42.000 Euro nicht nur der Wildbeseitigung, sondern der gesamten Öffentlichkeit zugute kämen.

Von Nicole Schippers

Quelle: HNA

Kommentare