Landwirte befürchten Einbußen in Millionenhöhe – Herbstsaat besonders betroffen

Hoffen auf Dauerregen

Wässern: Gärtnerin Daniela Müller, die in der Baumschule in Nothfelden arbeitet, gießt derzeit täglich die Neuanpflanzungen. Topfpflanzen werden mehrmals pro Tag über ein automatisches Bewässerungssystem versorgt. Foto: Glass

Wolfhager Land. Regen – auf ihn wartet momentan fast jeder. Angefangen vom Hobbygärtner, Gartenbesitzer bis hin zu den Land- und Forstwirten. Zwar gingen gestern in einigen Regionen Nordhessens zum Teil heftige, kurze Regenschauer nieder, doch die helfen den Pflanzen nicht wirklich. „Auf der ausgetrockneten Erde fließt das Wasser gleich wieder weg“, sagt Heinrich Niggemeyer von der Baumschule Pflanzlust in Nothfelden.

Dort wird momentan täglich gegossen. „Alles, was frisch angepflanzt worden ist, braucht jetzt Wasser“, sagt Niggemeyer. Besonders durstig seien immergrüne Pflanzen wie etwa Koniferen. Gartenbesitzern empfiehlt Heinrich Niggemeyer, während der Trockenperiode einmal pro Woche „richtig“ zu gießen. Damit meint der Experte etwa zehn Liter Wasser pro Pflanze.

Erich Schaumburg, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Kassel, zu dem auch das Wolfhager Land gehört, hält das derzeitige Klima für eine „mittlere Katastrophe“. So befürchten die Bauern im Landkreis Kassel Einbußen in Millionenhöhe bei der Ernte. Schlecht sehe es vor allem für die Herbstsaat aus: Wintergerste, Winterweizen, Winterraps und Winterroggen haben laut Schaumburg besonders gelitten. Denn diese Arten wurden von der Trockenheit, die nach wenig Niederschlag Anfang April bis jetzt anhält, erwischt. Wenn diese Sorten von Mitte Juli bis Ende August geerntet werden, wird es bei den Landwirten lange Gesichter geben, meint Schaumburg.

1300 Landwirte sind im Landkreis Kassel betroffen, sagt Erich Schaumburg. Aufgrund der Recherchen bei den Bauern und Stichproben auf den Feldern rechnet er bei der Herbstsaat mit Ertragseinbußen von durchschnittlich 15 Prozent. Beim Getreide bedeutet das nach den Berechnungen des Bauernverbandes auf der aktuellen Preisgrundlage einen Verlust von 150 Euro pro Hektar, beim Raps gar von 250 Euro.

Nimmt man die Anbaufläche des Rapses im Landkreis von 7000 Hektar, würden sich die Umsatzverluste auf 1,75 Millionen Euro belaufen. Beim Weizen wären das bei 16 300 Hektar Fläche rund 2,4 Millionen Euro. Alles Wirtschaftskraft, die der Region verloren gehe, sagt Schaumburg.

Und im Wald leiden nicht nur Neuanpflanzungen unter der Trockenheit – mit ihr steigt die Waldbrandgefahr. Daher darf außerhalb der ausgewiesenen Grillstellen kein Feuer entfacht werden, und auf den Grillplätzen sollte darauf geachtet werden, dass kein Funkenflug entsteht und das Feuer beim Verlassen des Grillplatzes richtig gelöscht wird. Rauchen im Wald ist zwischen Anfang März und Ende Oktober generell verboten. Waldbrandgefahr geht ebenfalls von liegen gelassenen Flaschen, Glasscherben und von achtlos weggeworfenen Zigarettenkippen aus.

Von Vera Glass

Quelle: HNA

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