Neujahrsempfang der Grünen: Bundespolitikerin Göring-Eckardt zu Gast

Vier Zuhörer, drei Parteien: vorne von links Martin Häusling und Gastrednerin Katrin Göring-Eckardt (Grüne), dahinter Mark Weinmeister (CDU) und Winfried Becker (SPD). Foto: Dellit

Schwalm-Eder. Mal angenommen, man hat zwei Freunde zu Besuch auf eine Flasche Rotwein. Sie reisen mit dem Bus an und mit dem Taxi zurück. Und dann mal angenommen, man trifft sich am Kiosk, um „sich die Hucke vollzusaufen und dann das Auto zu Schrott zu fahren“.

Für das Bruttoinlandsprodukt (BIP), mit dem Ökonomen die Wirtschaftsleistung messen, wäre die zweite Variante die bessere.

Mit Beispielen wie diesem – wie sie einräumt, recht plakativem – machte Gastrednerin Katrin Göring-Eckardt beim Neujahrsempfang der Schwalm-Eder-Grünen deutlich, welche Werte sie dem klassischen Wachstumsbegriff entgegensetzen möchte.

100 Gäste in Fritzlar

Um die 100 Besucher aller Parteien waren gekommen, um die Vizepräsidentin des Bundestages im Hardehäuser Hof in Fritzlar zu hören. Zuvor hatte Dr. Bettina Hofmann von den Kreisgrünen eine positive Bilanz des vergangenen Jahres mit 15 Prozent Mitgliederzuwachs und einem guten Kommunalwahlergebnis gezogen.

„Immer nur mehr in der Tasche zu haben, macht auf Dauer nicht glücklich“, sagte die prominente Gastrednerin aus Berlin. Das sei durch Studien längst bewiesen. Trotz steigenden Wohlstands sei die Zufriedenheit der Menschen seit den 1990er-Jahren nicht mehr gewachsen.

Für das Wohlbefinden zählten eben auch andere Faktoren wie Freizeit und die Teilhabe an Bildung und Kulturangeboten. Der immer weiter steigende Druck in der Arbeitswelt stehe dem entgegen.

Eine wichtige Rolle im Vortrag spielte das grüne Kernthema Umweltschutz. So würden Kühlschränke heute zwar viel weniger Strom verbrauchen als noch vor Jahren, dafür hätten viele Menschen ein Zweitgerät in der Laube oder im Keller stehen. „Wir brauchen“, sagte Göring-Eckardt, „eine kluge Ökonomie des Genug.“

Die Politikerin machte das am „Earth Overshoot Day“ deutlich. Dabei handelt es sich um den Tag, an dem der Mensch rechnerisch mehr Ressourcen verbraucht hat, als neu entstehen – er sich sozusagen ökologisch verschuldet.

Vor Jahren sei das im Dezember gewesen, heute weltweit der 27. September; rechne man nur Deutschland, sogar der 23. Mai (USA: 1. April).

Dagegen, so Göring-Eckardt, könnten nur neue Konzepte helfen. Sie erwarte viel vom Weltnachhaltigkeitstag im Juni („obwohl der Bundespräsident Schirmherr ist“): „Ich hoffe, es wächst der Mut und es wachsen die neuen Ideen.“

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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