Opfer schweigen, statt zur Polizei zu gehen – 20 Fälle angezeigt

Hohe Dunkelziffer bei Handy-Mobbing

Schwalm-Eder. Gewaltszenen, Pornos, Beleidigungen und sexuelle Anmache per Handy oder Internet: Nur etwa 20 Mal pro Jahr werden bei der Polizei im Schwalm-Eder-Kreis solche Vergehen angezeigt. Doch dies ist nur die Spitze des Eisbergs.

Wie hoch die Dunkelziffer ist, lasse sich gar nicht abschätzen, meint Markus Brettschneider, Jugendkoordinator bei der Polizeidirektion Schwalm-Eder. Grund: Opfer schämen sich, Opfer zu sein, erzählen mitunter nicht einmal den Eltern von solchen Erlebnissen. Brettschneider: „Schüler nehmen es hin und wissen gar nicht, was strafbar ist.“

Etwa dieser Fall: Auf einer Klassenfahrt wird ein Mädchen über 45 Minuten lang misshandelt. Das wird gefilmt und wandert dann von Handy zu Handy weiter.

Oder: Menschen – egal welchen Alters – filmen sich im beiderseitigen Einverständnis im Bett. Die Beziehung geht auseinander, aus Rache wird der Film mit den Nacktszenen ins Internet gestellt.

Das Fatale: Wer in der Opferrolle erst einmal drin ist, kommt kaum raus. Brettschneider: „Es sind immer die Schwächeren.“

Das sind meist die Kinder, und sie sind auch die Opfer im Internet. Auf Plattformen wie Schüler VZ tummeln sich aber nicht nur Schüler. Erwachsene versuchen Beziehungen zu Kindern aufzubauen - mit eindeutigem Ziel. 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben im Internet schon sexuelle Anmache erlebt. Dabei gehen die meist padophilen Täter gezielt ins Netz, gehen auf Hobbys und Sorgen ein, bezeichnen sich als Freund, haben für den üblichen Stress mit Eltern Verständnis.

Das kann dann in der Aufforderung zu einen Treffen enden. Brettschneider: „Für den Schwalm-Eder-Kreis ist mir zwar noch kein solcher Fall bekannt, aber bundesweit schon.“ Hintergrund Zum Tage, 2. Seite

Quelle: HNA

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