Holland kann einpacken: Im Elektro-Bike durch den Knüll

Knüllwald. Es ist unglaublich: Ich radele den Berg zwischen Hergetsfeld und Hülsa hoch. Vielleicht nicht ganz so elegant wie Lance Armstrong, aber ich fahre – und zwar steil bergauf.

Sonst tun mir schnell der Hintern und die Beine weh und das hält mich massiv vom Erbringen sportlicher Höchstleistungen ab. Heute aber ist alles anders, heute komme ich groß raus - mit dem E-Bike.

„Das ist ja mal ein ganz entspanntes Radfahren!“, ruft meine Freundin Christine begeistert und gleitet mindestens ebenso elegant an mir vorüber. Wir sind im bergigen Knüll unterwegs und fühlen uns wie auf einer Radtour in Holland. Möglich machen das nicht etwa unsere durchtrainierten Muskeln, sondern die Elektro-Räder, die wir bei der Knüll-Touristik in Remsfeld geliehen haben.

Wer es nicht weiß, dass uns die unsichtbare Kraft des Akkus vorantreibt, der da am Rahmen hängt, hält uns für hammerharte Sportlerinnen. Selbst bei Steigungen von gefühlten zwölf Prozent schwächeln wir nicht. Schellbach und Hülsa – letzteres liegt immerhin auf 465 Metern über dem Meeresspiegel – waren für mich als Radlerin bislang echte Alpendörfer und damit unerreichbar. Mit dem Elektrofahrrad ändert sich das. Es muss klar gesagt werden: Wir sitzen ja nicht nur faul im Sattel, sondern treten auch mächtig in die Pedale. Dafür bekommen wir aber mächtig Schub aus dem Akku. Wir strampeln stramm bis zum Hülsaer Ortsschild. Absteigen zum Fototermin! So viel Sportlichkeit muss für die Nachwelt dokumentiert werden.

„Das ist ja ein ganz entspanntes Radfahren!“

„Wenn ihr gar nicht mehr könnt, müsst ihr schieben – aber die Räder sind wegen der Akkus schwer“, hatten Birgit Naumann und Michael Will von der Remsfelder Knüll-Touristik gesagt, als sie uns eine kurze Einweisung in die einfache und doch so effektive Technik gaben. Schieben – nix da. Und wenn es mich einen Muskelkrampf kostet. Aber ganz ehrlich: Die Gefahr, einen Muskelkrampf zu bekommen, ist bei einem E-Bike doch sehr gering.

Remsfeld, Wallenstein, Appenfeld, Hergetsfeld, Hülsa, Steindorf, Allmuthshausen, Schellbach und Remsfeld: Die Orte fliegen nur so an uns vorbei. Trotz der vielen Steigungen, bei deren Anblick ich auf einer Radtour mit meinem eigenen alten Drahtesel entsetzt aufgeschluchzt hätte. So aber brauchen wir nicht mal das Handtuch, das Christine vorsichtshalber zum Schweißabwischen in den Rucksack gepackt hatte. Nach zwei Stunden, 22 Kilometern auf dem Tachometer und Kaffee und Kuchen in der Jagdbaude am Wildpark kommen wir gut gelaunt und sonnenverbrannt zurück. „Na, wie war’s?“ Birgit Naumann und Michael Will erwarten uns schon ganz gespannt in Remsfeld.

Schön war’s. Eines ist nun klar: Holland kann einpacken. Von wegen, in den Niederlanden lässt es sich gut Rad fahren. Wer das sagt, ist noch nicht entspannt durch den Knüll gegondelt. Die Zeiten, in denen das eine anstrengende und schweißtreibende Sache war, sind vorbei. Es ist eben wie alles im Leben immer nur eine Frage der Technik.

Quelle: HNA

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