Oswald Musielskis Konzert „Geheimnis der Stimme“ begeisterte in der katholischen Kirche Treysa

Er holte die Töne aus dem Nichts

Erinnerungen an die Goldenen Zwanziger: Countertenor Oswald Musielski sang vor 200 Zuhörern in der katholischen Kirche Treysa. Foto: Vogt

Schwalmstadt. Countertenor Oswald Musielski verzauberte sein Publikum in der gut gefüllten katholischen Kirche in Treysa. Über 200 Gäste – darunter langjährige Weggefährten, Freunde und Fans – waren am Samstagabend gekommen, um die außergewöhnliche Stimme des Willingshäusers zu hören.

Das Konzert mit dem Titel „Geheimnis der Stimme“ sei eine Reise durch die Geschichte der Musik, stimmte Musielski zu Beginn des Konzertes ein. Und der Zuschauer fühlte sich in der Tat in eine andere Zeit versetzt.

Im Lichtkegel vor dem Altar stand er in seinem glänzend-schwarzen Sakko mit passender Fliege und Ozelotlederstiefeln. Vor ihm ein großes Kondensatormikrofon, hinter dem er aussah, wie ein Chanteur aus den Goldenen Zwanzigern.

Andächtiges Lauschen

Musielski kann Stücke für Alt- und Sopranstimmen ohne Probleme singen. Was zuerst verwundert, verzauberte schon nach wenigen Sekunden das gesamte Publikum, das andächtig jedem Lied lauschte.

Begleitet wurde Musielski bei vielen Liedern wie Georg Friedrich Händels Barock-Arie „Ombra mai fu“ aus der Oper Xerxesvon 1738 von CD, was dem Klanggenuss keinesfall einen Abbruch bescherte. Andere Stücke sang er in Begleitung von Marina Pletner am Klavier und Vladimir Pletner an der Violine, die auch einen Kontrapunkt mit Instrumentalstücken setzten. Aber nicht nur in der Vergangenheit der klassischen Oper fühlte Musielski sich zu Hause. Auf der Zeitreise begegnete das Publikum auch modernen Titeln wie „Weine nicht um mich Argentinien“ aus dem Musical Evita oder „Erinnerungen“ aus dem Musical Cats. Hier zeigte der Sänger viel Gefühl in seinem Mienenspiel und seiner Gestik.

Zarte Passagen

Beachtenswert war die Dynamik seiner Stimme, mit der er sehr zarte und ruhige Passagen passgenau meisterte, um danach mit einem Crescendo unverstärkt den gesamten Saal zu füllen.

Das waren die Höhepunkte des Konzertes, wenn Musielskis Stimme in hoher Lage anschwoll und man sich wunderte, wo er diese Töne nur herholte, die ein kribbelndes Gefühl auf der Haut und in den Ohren hinterließen.

Bei Titeln wie „Somewhere over the rainbow“ oder Leonard Cohens „Hallelujah“ forderte er das Publikum in der Treysaer Kirche auf, mitzusingen – das aber lauschte lieber allein Musielskis Stimme.

Von Sebastian Vogt

Quelle: HNA

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