Projekt des Starthilfe-Vereins wird nicht verlängert

Homberg: Mobile Altenhilfe wird abgesägt

Homberg. Zwei Jahrzehnte lang half man in der Homberger Entengasse arbeitslosen und alten Menschen. Doch jetzt ist Feierabend: Die Mobile Altenhilfe des Starthilfe-Vereins wird geschlossen. Ab dem 28. Februar ist die Geschäftsstelle dicht.

Auf die zehn Frauen, die dort zurzeit beschäftigt sind, wartet einmal mehr die Arbeitslosigkeit. Für sie war die Altenhilfe eine Chance zum Wieder- und Neueinstieg ins Berufsleben. Sie halfen alten Menschen im Haushalt, leisten ihnen Gesellschaft, waren für sie da. Damit ist jetzt Schluss, das Projekt wird nicht verlängert

"Wir mussten beim Jobcenter jedes Jahr einen Antrag auf Verlängerung stellen", erklärt der Starthilfe-Geschäftsführer Hermann Häusling. "Der wurde immer genehmigt." Kurz vor Weihnachten aber kam die Nachricht, dass das Projekt nicht verlängert werde. Zu der Zeit sei man gerade mit Plänen für die Feier zum 20-jährigen Bestehen beschäftigt gewesen. Nach Feiern ist jetzt niemandem mehr zumute.

"Das Jobcenter hat uns gegenüber als Begründung gesagt, das Projekt könnte den Prüfungskriterien des Bundesrechnungshofes nicht entsprechen", sagt Häusling. "Könnte!", betont er. "Das heißt für mich, dass das gar nicht geprüft wurde." Man gebe dem Projekt also keine Chance.

"Das ist so nicht richtig", sagt Hans-Gerhard Gatzweiler, Geschäftsführer des Jobcenters Schwalm-Eder. "Der Grund ist eine Gesetzesänderung, die im April 2012 in Kraft getreten ist." Laut Gesetz dürfen die Ein-Euro-Jobs, die eben auch von der Starthilfe angeboten werden, keine Konkurrenz für bestehende Arbeitsplätze sein.

"In der Region werden haushaltsnahe Dienstleistungen von Unternehmen angeboten", erklärt Gatzweiler. "Das heißt, dass durch die Arbeit des Projekts eine Konkurrenz zu regulären Arbeitsplätzen entsteht." In so einem Fall sei man durch das Gesetz zur Einstellung verpflichtet, auch wenn man es bedauere.

Darüber kann der Vorstand des Vereins nur den Kopf schütteln. "Das Projekt war für beide Seiten super, für die Frauen und die alten Menschen", sagt Vorsitzende Dorothea Pampuch. Geholfen habe man damit vor allem Menschen, die sich aus finanziellen Gründen keine Haushaltshilfe leisten können.

"Was soll ich denn jetzt machen?", fragt Sabine Kübler. Seit mehr als einem Jahr arbeitet die 55-Jährige in dem Projekt mit. 37 Jahre war sie im ehemaligen Homberger Krankenhaus beschäftigt, bis sie arbeitslos wurde. Ihr Arbeitsvermittler machte sie auf das Projekt aufmerksam. Sie schaute in der Entengasse vorbei und blieb. Die Arbeit mit den alten Leuten machte ihr Spaß, die Kollegen waren nett. "Jetzt hocke ich wieder daheim", sagt sie resignierend.

Von Moritz Schäfer

Hintergrund:

Die Mobile Altenhilfe wurde 1993 in Zusammenarbeit mit dem Sozialamt, dem Arbeitsamt und dem Starthilfe-Verein gegründet. Die Frauen, die im Projekt beschäftigt waren, arbeiteten halbtags und leisteten Unterstützung im Alltag, damit alte und kranke Menschen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben konnten. Dabei standen die Frauen unter fachlicher Anleitung. Qualifiziert wurden sie in den Bereichen Hauswirtschaft und Kochen. Zudem gab es Bewerbungstrainings. Viele der Frauen machten nach der Projektarbeit eine Ausbildung zur Altenpflegehelferin oder fanden durch ihre Weiterqualifizierung eine andere Stelle. (mhs)

Quelle: HNA

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