7000 Euro hohe Nachzahlung

Gastronom: Zu viele Steine werden in den Weg gelegt

Macht sich für Homberg und sein Hotel und Restaurant Stadt Cassel stark: Jörg Schäfer will einen Runden Tisch für Gewerbetreibende einrichten und so die Stadt nach vorne bringen. Foto:  Brandau

Homberg. Als Jörg Schäfer vor einem Jahr das Hotel und Restaurant Stadt Cassel übernahm, hatte er keinen Zweifel, dass er den Betrieb schnell in Schwung bringen würde.

Mittlerweile aber hat er doch Sorge, denn es würden ihm von allen Seiten zu viele Steine in den Weg gelegt. Jüngstes Beispiel: Schäfer soll 7000 Euro Abwassergebühren fürs laufende Jahr nachzahlen.

Wie sich diese Summe zusammensetzt und warum sie so hoch ist - darüber erhalte er von der Stadt trotz Nachfragen keine Auskünfte. Dabei handele es sich um viel Geld: So viel, dass der Betrieb der Stadt Cassel angesichts solch hoher Nebenkosten bald unrentabel werde. Denn nicht nur die Rechnung fürs Wasser, sondern auch die für Gas und Strom seien viel höher als gedacht.

Doppelt frustrierend

Für Schäfer ist das frustrierend. „Die Stadtverwaltung stellt hohe Erwartungen an die Gastronomen - tut aber ihrerseits nur wenig, um sie zu unterstützen.“

Jörg Schäfer verweist auf den gebrochenen Kanaldeckel in der Westheimer Straße, der durch ständiges Klackern die Gäste um den Schlaf bringe. Trotz vieler Bitten sei der bis heute nicht repariert worden. Der 45-Jährige ist an einem Punkt, an dem er das nicht länger hinnehmen will.

„Homberg hat viel Potenzial - aber wir können nicht ewig warten, bis es ausgeschöpft wird.“

Denn die Gewerbetreibenden, sagt er, seien doch vor allem eines: wichtige Partner der Stadt. Nur habe sich diese Erkenntnis bislang noch nicht durchgesetzt - trotz der Tatsache, dass es viele Baustellen gebe, an denen die Stadt arbeiten müsse. „Wenn wir mehr Touristen in die Stadt holen wollen, müssen wir die Infrastruktur verbessern“, sagt Schäfer. Und mit „Wir“ meint er: Schäfer will einen Runden Tisch für die Gewerbetreibenden einrichten, um die Probleme zu beleuchten und zu lösen.

Schäfers Liste der zu verbessernden Dinge ist lang: Der Wochenmarkt stehe auf der Kippe, es gebe keine einheitlichen Ladenöffnungszeiten, samstags schlössen die Läden so früh, dass kein Tourist noch shoppen gehen könne, der dreitägige Weihnachtsmarkt sei viel zu kurz für eine Kreisstadt - Schäfer sieht an vielen Stellen hohen Diskussionsbedarf. Er sei nicht der einzige Gewerbetreibende, der unzufrieden ist: „Wir sitzen alle in einem Boot: Wir müssen auch alle zusammen rudern.“

Diesen Gedanken will Schäfer weitertragen. Das aber gehe nur, wenn Stadtverwaltung und Stadtmarketingverein die Gewerbetreibenden als Gesprächspartner auf Augenhöhe wahrnähmen. Es sei im vergangenen halben Jahr viel passiert, dieser Prozess müsse sich fortsetzen. Und zwar zügig: „Homberg hat Potenzial. Aber wir können nicht ewig warten, bis es ausgeschöpft wird.“

Das sagt der Bürgermeister

Bürgermeister Dr. Nico Ritz begrüßt die Idee von Jörg Schäfer, sich verstärkt für die Kreisstadt einzusetzen: „Jeder Einsatz ist willkommen.“ Den Vorschlag aber, einen Runden Tisch für Gewerbetreibende und Gastronomen einzurichten, hält Ritz für problematisch, denn es gebe bereits zwei solcher Gremien. Sowohl der Verein Knülltouristik als auch der Stadtmarketingverein stellten Plattformen dar, die sich mit Homberger Themen und Anliegen auseinandersetzten. In beiden Gremien seien das Wissen und die Sichtweise eines Gastronomen durchaus gefragt. „Wichtig ist, dass die Gespräche auch zu etwas führen - deshalb dürfen wir uns nicht verzetteln.“

Schäfers Vorwurf, die Stadt sehe die Gewerbetreibenden und Gastronomen nicht als Partner, kann Ritz beim besten Willen nicht nachvollziehen: „Das ist einfach ein völlig abwegiger Gedanke.“

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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