Hommage an die Pop Art: Stipendiat Thilo Jenssen stellt in Willingshausen aus

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Monochrome Malereien: Thilo Jenssen fasst seine Bilderschau unter dem Titel „New Energy“ (Neue Energie) zusammen. Ab sofort sind die Werke in der Kunsthalle zu sehen.

Fast hätte die Hitze in der Willingshäuser Kunsthalle den Lack zum Schmelzen gebracht. Doch ab ist er buchstäblich nicht: Zumindest gab es viele Schichten Farbauftrag am Donnerstagabend zu bewundern.

Stipendiat Thilo Jenssen stellte seine Ergebnisse vor. Der Titel der Ausstellung: New Energy, also neue Energie.

Die brauchte der Künstler zum holprigen Start auch tatsächlich. Denn kaum hatte er in Wien Fuß gefasst, brach er sich ein Bein. Ausgerechnet beim Besuch eines Friedhofs. Verzögert und auf Krücken trat Jenssen sein Stipendium in Willingshausen an.

„Sein Unfall, seine Genesung sah er als Parallele zu Gerhard von Reutern, der auch zur Erholung in den Ort kam, nachdem er einen Arm verloren hatte“, erläuterte Kurator Bernhard Balkenhol. Jenssen wertete seinen Unfall als ein Schicksalszeichen. Sein geplantes Projekt habe er indes nicht realisieren. „Er hatte eine spielerische Reinszenierung der Malerkolonie geplant.“

Stattdessen griff er seine Genesung auf. „Das Thema hatte er bereits 2010 aufgegriffen und in seinen Werken Maßnahmen zur ersten Hilfen umgesetzt“, erläuterte der Kurator.

In Willingshausen seien ebenfalls medial geprägte Bilder entstanden - immer eingebunden in Installationen. „Sie verlassen quasi die Wand.“ Jenssen gebe dadurch den Bildern ein anderes Gesicht. Beschäftigt habe er sich mit der Frage der Malerei als Malerei, verdeutlichte Balkenhol.

Ging eine Weile auf Krücken: Der Stipendiat hat auch diese Zeit im Bild verarbeitet.

Die monochromen Malereien lebten von mehreren Schichten Lack, die „keine definierbare, farbliche Erscheinung“ zeigen, nicht fassbar seien. Die klaren, leuchtenden Farben riefen assoziativ vereinfachte Landschaften wach ohne Gegenständlich zu sein. Jenssens Werke seien von „aufdringlicher Buntheit“.

Aus seinem Versprechen - New Energy - lasse der Künstler damit eine Behauptung werden. Doch der Eindruck täusche: „Alles ist ein bisschen zu schön, um wahr zu sein“, erklärte Balkenhol. Das zeigten auch die aufgedruckten Landschschaften auf Energy-Drink-Dosen. Letztlich sei Thilo Jenssens Kunstdiskurs eine Hommage an die Pop Art. Seine Botschaft: „Alles wird, nein, alles ist gut - aber eben nicht so wie es scheint.“

Bei mehr Selters als Sekt genossen die Gäste den Rundgang durch die Ausstellung. Im Anschluss klang die Vernissage bei Kunstgesprächen und Würstchen unter freiem Himmel aus. • Zu sehen sind die Werke bis 24. Juli, Dienstag bis Sonntag 14 bis 17 Uhr, samstags und sonntags auch von 10 bis 12 Uhr.

Quelle: HNA

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