Homöopathie in der Kinderheilkunde: Wirksam für die einen, gefährlich für die anderen

Alexander Gerhold

Fritzlar. Homöopathie - „eine Medizin, die immer den ganzen Menschen im Auge hat, sein volles Potenzial und nicht nur einzelne körperliche Symptome“: So wird die natürliche Medizin in einer Broschüre der Deutschen Homöopathie-Union (DHU) beschrieben. Vielen Menschen sind die kleinen Kügelchen (Globuli) oder Tabletten bekannt.

Es gibt sie in jeder Apotheke, viele Behandler und Patienten schwören auf ihre Kräfte, andere sind eher skeptisch.

Besonders bei der Behandlung von Kindern könnten mit Homöopathie gute Heilungserfolge erzielt werden. Das sagt Dr. med. Markus Wiesenauer. Der Allgemeinmediziner aus Stuttgart hält in ganz Deutschland Vorträge über die Heilmittel aus der Natur und deren Einsatz bei Kinderkrankheiten.

Immer häufiger sei das Immunsystem von Kindern und Jugendlichen durch vermehrte Belastungen und Stresssituationen geschwächt. Bei sachgerechter Anwendung, könne die Homöopathie in vielen Fällen Abhilfe schaffen und das ganz ohne Nebenwirkungen, so Wiesenauer. Der kindliche Organismus sei sehr empfänglich für homöopathische Mittel, daher reichten bereits oftmals kleine Mengen der Wirkstoffe aus, um die körpereigenen Heilkräfte in Gang zu setzen und Erfolge zu erzielen.

Und dafür brauche man nicht unbedingt immer einen Arzt, sagt Wiesenauer. Selbstdiagnose und Selbstbehandlung seien ganz leicht. In seinem Buch „Homöopathie Quickfinder“ beschreibt er, wie man anhand der Krankheitssymptome das richtige Mittel finden könne.

Vollkommen anderer Meinung ist der Fritzlarer Kinder- und Jugendarzt Dr. med. Martin Glück. Er arbeitet in seiner Praxis nicht mit homöopathischen Mitteln und warnt vor Selbstdiagnose und Eigenmedikation. Viel zu leicht seien gefährliche Krankheiten zu übersehen, weil die Symptome falsch oder gar nicht erkannt werden.

Dr. Martin Glück

Auch in seiner Praxis habe es schon Fälle gegeben, bei denen ein Kind ohne vorherige Untersuchung des Arztes mit Homöopathie behandelt worden sei und sich danach in einem gefährlichen Zustand befunden habe. Bei schweren Symptomen und Krankheitsmerkmalen sei selbstverständlich ein Arzt aufzusuchen, sagt Wiesenauer. Doch wie kann der Laie eine leichte Erkrankung von einer schweren unterscheiden? Woher weiß man zum Beispiel, ob es sich bei Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit nur um eine starke Erkältung und nicht um eine bakterielle Hirnhautentzündung handelt?

Es gäbe zu viele, auch lebensbedrohliche Krankheiten, die man als Nichtmediziner gar nicht erkennen könne, entgegnet Dr. Glück. Und dann sei der Einsatz von Antibiotika unerlässlich Glück.

Dieser Meinung ist auch Wiesenauer, und doch gehören homöopathische Mittel für ihn in jede Hausapotheke. „Homöopathie ist in vielen Fällen eine wirksame Medizin“, sagt dazu der Apotheker Alexander Gerhold. Er beschäftigt sich unter anderem durch Fortbildungen mit den homöopathischen Arzneimitteln und ist von deren Wirkung überzeugt.

Symptome sollten besser abgeklärt werden 

Allerdings rät auch er von einer ausnahmslosen Selbstmedikation ab. „Es ist auf jeden Fall sinnvoll, Symptome abklären zu lassen, vor allem bei Kleinkindern“, sagt er. Alexander Gerhold und seine Mitarbeiter in der St. Martin-Apotheke in Fritzlar beraten die Kunden zunächst, fragen nach Alter, Symptomen und bereits verabreichten Medikamenten und wählen dann das richtige Mittel aus. (zen)

Quelle: HNA

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