Hortensien werden aus Vorgärten geklaut und vermutlich als Droge verwendet

Fritzlar-Homberg. Viele Gartenliebhaber im Kreis stellen in den vergangenen Wochen entsetzt fest: Ihre Hortensien wurden aus den Vorgärten geklaut. Doch es sind keine Blumenliebhaber, die die Pflanzen stehlen.

"Ich glaube, dass die Diebe die Hortensien beschneiden, weil sie die Blume für ihren Rauschmittel-Konsum brauchen", vermutet ein Betroffener aus Geismar. Die Familie möchte namentlich nicht genannt werden, da sie Angst hat, dass noch mehr ihrer Hortensienstöcke den unbekannten Dieben zum Opfer fallen könnten.

Schon im vergangenen Jahr wurden ihre Hortensien abgeschnitten. Dabei kamen die Täter auf das Grundstück der Familie und machten sich über die Pflanzen, die versteckt hinter Büschen stehen, her. Die Familie ist entsetzt, dass die Täter nicht davor zurückschrecken, fremde Grundstücke zu betreten. Nach Ansicht der Familie waren Profis am Werk: Fachmännisch wurden die Hortensien gekappt, meist nur die Blüten abgeschnitten oder frische Triebe.

"Die Täter kennen sich aus", sind sich die Geismarer sicher. Auch dem Gartenhof Ludwig in Fritzlar ist das Phänomen des Hortensienklaus bekannt. "Sehr viele Kunden berichten uns davon", bestätigt ein Mitarbeiter der Baumschule des Gartenhofs. Er geht auch davon aus, dass die Pflanze geklaut wird, weil ihr eine berauschende Wirkung nachgesagt wird, wenn die getrockneten Blüten, Blätter und Jungtriebe geraucht werden.

Die Dämpfe, die bei der Verbrennung entstehen, sollen eine ähnliche Wirkung haben wie Marihuana. Jedoch wird beim Verbrennen der Pflanze auch Blausäure freigesetzt, erklärt die Bundesapothekerkammer. Experten warnen deshalb vor einer Vergiftung mit Blausäure, wenn der Rauch inhaliert wird. Im Frühling und Sommer häufen sich die Diebstähle, sagt der Pflanzenexperte. Der Grund: Die Hortensie blühe von Mai bis zum Herbst. Auch die Polizei kennt Fälle von Hortensienklau im Kreis Fritzlar-Homberg. "Das Phänomen ist schon seit einigen Jahren bekannt", sagt Polizeisprecher Reinhard Giesa.

Recherchen der Polizei hätten jedoch ergeben, dass es nur eine Spekulation sei, ob Hortensien eine drogenähnliche Wirkung hätten. Die Hortensie sei keine Bio-Droge wie beispielsweise die Engelstrompete, sagt der Polizeisprecher. Diebe konnte die Polizei aber noch nicht ausmachen. "Viele melden einen Hortensienklau nicht der Polizei und bringen ihn nicht zur Anzeige", moniert Giesa. Hortensiendiebe machen aber nicht nur im Kreis einen Streifzug durch die Gärten. "Das Phänomen ist deutschlandweit bekannt", sagt Giesa. In Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein wurden Hunderte von Diebstählen registriert. In keinem Fall gibt es aber konkrete Hinweise auf die Täter.

Von Jessica Bassing

Quelle: HNA

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