Gäste buchen über „Air Bnb"

Hotelbetreiber im Kreis kritisieren Privatvermietung über das Internet

Schwalm-Eder. Privates Gästezimmer statt Hotel: Dieser Trend ist auch im Schwalm-Eder-Kreis spürbar. Im Landkreis sind auf der Internetplattform des Anbieters „Air Bnb" 15 Unterkünfte gelistet.

Sie liegen in Bad Zwesten, Borken, Frielendorf, Fritzlar, Guxhagen, Körle, Niedenstein und Ziegenhain. Hotelbetreiber sehen das zum Teil kritisch.

„Das ist eine ganz starke Wettbewerbsverzerrung“, sagt Anna Homm, Geschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Nord- und Osthessen. Klassische Hoteliers müssten gesetzliche Auflagen erfüllen - vom Brandschutz bis zur Trinkwasserverordnung. Diese Vorschriften gälten für private Anbieter nicht. „Es gibt sogar Fälle, in denen die privaten Vermieter noch nicht mal Steuern zahlen“, so Homm.

„Ich weiß, dass die Wettbewerbsverzerrung ein Problem ist“, sagt auch Fritz Otto Wilhelm vom Hotel Hassia in Frielendorf. „Das ist aber eher ein Thema in den großen Städten“, fügt er hinzu, da merken es die Hotelbetreiber massiv, dass Kunden abwandern.“ Er selbst mache sich noch keine Sorgen. „Aber man muss sich der Gefahr bewusst sein.“

Herbert Markolf vom Hotel Hessischer Hof in Melsungen fürchtet, dass durch Anbieter wie „Air BnB“ eine Grauzone gefördert wird. „Sobald man als Gewerbe angemeldet ist, müssen Auflagen erfüllt werden“, erklärt er. „Offiziell sollte eigentlich auch jede Ferienwohnung als Gewerbe angemeldet werden. Das machen aber nicht alle Anbieter.“ Dieses Vorgehen werde durch eine Internetplattform erleichtert.

Georg Rockensüß vom Gasthof Rockensüß in Schwalmstadt sieht die Sache hingegen entspannt: „Das ist keine Konkurrenz, sondern ein Miteinander“, sagt er über Anbieter wie „Air BnB“. Das Angebot ergänze sich: „Der eine sucht eben den Komfort im Hotel, der andere eine einfache, günstigere Unterkunft.“

Hintergrund: Bislang keine gesetzliche Regelung

Über die Internetplattform „Air BnB“ werden überwiegend Erstwohnsitze vermietet, sagt Unternehmenssprecher Julian Trautwein. Die Vermieter bieten also ein Zimmer in ihrer eigenen Wohnung für Touristen an. Dafür gebe es bislang keine gesetzliche Regelung, sagt Trautwein: „Die Gesetze müssen aktualisiert werden.“

Es könne aber nicht sein, dass jemand ein Zimmer in seiner Wohnung vermiete, die gleichen Auflagen erfüllen müsse wie ein Hotel. „Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zur Hotellerie“, sagt Air BnB-Sprecher Julian Trautwein. Air BnB bediene einen anderen Trend: „Die Touristen wollen sich wie Einheimische fühlen.“

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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