Vom Hühnermist zum Gas

Schüler besuchten Biogasanlage in Kerstenhausen

Bei der Biogas-Anlage: Die Neuntklässler Justin Kiese (von links), Joanna Crutcher, Kevin Kortmann und Leyla Stehl schauten sich auf dem Gelände um. Inga Michelbrink (kleines Foto) und Selina Wallis beobachten den Gärprozess im Fermenter. Fotos: Hartung

Kerstenhausen. Wie entsteht aus Mist und Mais Energie? Der Frage gingen 45 Neuntklässler der Christophorusschule in Oberurff nach.

Sie besuchten die Biogasanlage in Kerstenhausen. Betriebsleiter Jörg Weinhausen erläuterte den Jugendlichen den Ablauf. Jedes Jahr werden elf Millionen Kilowattstunden Energie erzeugt. Damit könnten 1000 Haushalte mit Strom versorgt werden.

Auf dem Gelände - seit 2012 wird hier Biogas hergestellt - befinden sich drei große grüne Behälter. „Das sind die Hauptkomponenten der Anlage“, erklärt Weinhausen. Es handelt sich um den Fermenter, den Nachgärer und das Gärrestlager. Der Prozess zur Biogas-Herstellung startet im Fermenter.

Schritt 1: Der Mist

Insgesamt beliefern zehn Landwirte die Anlage in Kerstenhausen unter anderem mit Gülle, Mist und Mais. Gülle und Mist kommen in eine Erdgrube, Silage der Energiepflanzen in den Feststoffdosierer, eine graue offene Wanne. Sie ist genau wie die Erdgrube über Rohre mit dem Fermenter verbunden.

Schritt  2: Der Fermenter

Einer der grünen Pötte, wie sie Weinhausen nennt, ist der Fermenter. Das ist ein luftdichter und wärmeisolierter Behälter. „Innen herrschen immer 40 bis 44 Grad, damit die Bakterien ordentlich arbeiten“, erklärt Weinhausen. Die Wärme dafür wird direkt nebenan durch ein Blockheizkraftwerk erzeugt. Vollautomatisch zieht der Fermenter durch eine Pumpe die Gülle ein, der Dosierer gibt die Silage hinzu. Der Vergärungsprozess beginnt.

Schritt 3: Die Gärung

Im Fermenter wird die Masse aus Gülle und Silage dann regelmäßig umgewälzt. „10 000 Tonnen Material verbrauchen wir hier pro Jahr“, sagt Weinhausen. Davon sind über vier Tonnen Mist. Mikroorganismen zersetzen nach und nach die organischen Substrate, also Proteine, Kohlenhydrate und Fette. „Was hier passiert ist nichts anderes als der Verdauungsprozess einer Kuh“, sagt Weinhausen. Der Fermenter ist vergleichbar mit dem Pansen. Am Ende bleibt Methan, Kohlendioxid und Wasser übrig - das Gas steigt in das runde Fermenterdach auf.

Schritt 4: Der Nachgärer

Das Gärsubstrat wird über eine unterirdische Rohre vom Fermenter in den Nachgärer - ebenfalls ein großer grüner Behälter - weitergeleitet. Bakterien zersetzen das Substrat weiter zu Biogas. Auch hier sammelt es sich unter dem kegelförmigen Dach.

Schritt 5: Der Gärrest

Beim Vergärungsprozess bleiben Rückstände, die nicht zu Biogas umgewandelt werden konnten. Dabei handelt es sich um den Gärrest. Er wird vom Nachgärer in den dritten grünen Behälter, dem Gärrestlager, weitergeleitet. „Die Landwirte düngen damit“, erklärt Weinhausen. Im Gegensatz zu Gülle handele es sich um einen sehr effektiven und vor allen Dingen geruchsarmen Dünger.

Schritt 6: Stromerzeugung

Im angeschlossenen Blockheizkraftwerk wird das Gas in elektrische (Strom) und thermische Energie (Wärme) umgewandelt. Der Strom wird anschließend ins öffentliche Netz eingespeist, mit der Wärme werden die beiden Hardtwaldkliniken in Bad Zwesten geheizt.

Mais ist die wichtigste Energiequelle

Strom aus erneuerbaren Energiequellen macht derzeit 27 Prozent der Stromversorgung in Deutschland aus. In Hessen gibt es 198 Anlagen, Im Landkreis werden 23 Biogas-Anlagen betrieben. Sie können rechnerisch 20 000 Haushalte mit Strom versorgen. Für die Herstellung von Biogas wird meistens Mais als Energiepflanze genutzt. Im Gegensatz zu Weizen und Gerste nutzt Mais das vorhandene Kohlendioxid besser und hat ein enormes Gasbildungsvermögen. Mit einem Hektar Mais kann so viel Biogas hergestellt werden, dass damit ein Jahr lang fünf Haushalte mit Strom versorgt werden könnten.

Quelle: HNA

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