Der Westerwälder Kuh-Hund ist ein zäher Bursche

Ein knallharter Wadenbeißer

Heinfried Haas mit seinen Kuh-Hunden

Hülsa. Rollhaarig, wetterfest und knallhart - so beschreibt Kuh-Hirte Heinfried Haas aus Hülsa seinen besten Mitarbeiter. "Der Luchs ist ein reinrassiger Westerwälder Kuh-Hund", erklärt der 68-Jährige. Damit ist Luchs eines von noch etwa 30 Tieren.

Die Rasse wurde vor Jahrhunderten für die besonderen Anforderungen der Kuh-Hirten gezüchtet. Die Tiere haben einen ausgeprägten Beschützerinstinkt und sind selbstsicher, wenn es um die Verteidigung der Herde geht. Die einst so gefragten Eigenschaften der Tiere werden heute jedoch oft zu einem Problem.

"Der Kuh-Hund ist ein Arbeits- und kein Kuscheltier", erklärt Haas. Als Familienhund sei er nicht geeignet. Nicht selten sei es vorgekommen, dass ein Kuh-Hund Familienangehörige gebissen hat. Das habe aber nichts mit Böswilligkeit zu tun: "So hält er die Herde zusammen."

Wenn die Kühe sich vom Hund nicht durch bloße Präsenz lenken lassen, beißt er sie in die Beine oder in die Schnauze. "Den Kühen macht das nicht viel aus, aber beim Menschen ist das natürlich etwas anderes." Es gebe Tiere, bei denen diese Instinkte nicht so ausgeprägt sind. Die seien als Familienhund geeignet. "Das kann man aber erst nach etwa einem Jahr nach der Geburt einschätzen", sagt Haas. Niemals würde er einen Welpen einfach so an jemanden abgeben. "Ich muss wissen, dass derjenige sich wirklich mit Hunden auskennt." Viele seien mit so einem Tier schnell überfordert. Das zeigt auch die Geschichte von Luchs. "Er wurde früher oft geschlagen. Als er zu mit kam, war er wirklich verstört." Ein Hobby-Schafhirte habe den Hund vom Züchter gekauft. Hütehund sei Hütehund, habe der Mann wohl gedacht.

"Aber für Schafe ist der einfach zu hart", sagt Heinfried Haas. Die zarten Beinchen der Schafe hätten natürlich unter dem Zupacken des Hundes gelitten. Der Hobby-Schäfer habe ihn gefügig machen wollen. "Er hat mit einer Kette auf ihn eingeprügelt und ihn mit dem Kopf in eine Wassertonne gehalten", sagt Haas mit einem Zittern in der Stimme.

Der Hund wehrte sich

Irgendwann reichte es Luchs: Er fiel den Mann an. Der habe das Tier danach loswerden wollen. Haas, der lange Zeit Hunde für den Schutzdienst ausgebildet hat, nahm ihn zu sich. Er redete mit ihm wie mit einem kleinen Kind, beschäftigte sich mit ihm. Nach drei Tagen sei der Hund wie ausgewechselt gewesen. "Der Luchs ist mir nicht mehr von der Seite gewichen." Seither sei er sein bester Mitarbeiter.

Für seine Nachfolge hat Luchs vorgesorgt. Der sechs Monate alte Artus ist zwar kein reinrassiger Kuh-Hund, doch er zeigt schon jetzt die Eigenschaften, die man bei der Arbeit mit den Kühen braucht: Jede Menge Selbstbewusstsein. "In den Kleinen setze ich meine Hoffnung", sagt Heinfried Haas.

Von Moritz Schäfer

Quelle: HNA

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