Aus dem Traum wurde ein Albtraum

Hundezüchter trauern um zwei mutmaßlich vergiftete Tiere

Erschüttert: Melanie Langbein (29) mit Sohn Jonas (4) und ihrem Freund Andre Kleinhans (43) vor dem Grab von Cady. Inzwischen liegt auch Deckrüde Blue neben ihr beerdigt. Fotos: Ulbrich

Viesebeck. Melanie Langbein und Andre Kleinhans hatten einen großen Traum: Mit dem Kauf des ehemaligen Pferdehofes in Viesebeck wollten die 29-Jährige aus Bayern und der 43-jährige Hamburger, passionierte Tierliebhaber und private Hundezüchter, in der Mitte Deutschlands ihre Zukunft verbringen.

Doch der einstige Traum stellt sich derzeit als „schlimmster Albtraum überhaupt“ dar, sagt Kleinhans. Grund dafür: Die beiden Australian Shepherd Hunde des Paares, die vierjährige Cady und der zweijährige Blue sind tot. Sie wurden vermutlich mit Schneckenkorn vergiftet und starben beide qualvoll in der Nacht zu Donnerstag.

Laut Tierärztin Julia Ungru aus Kassel, bei der beide Hunde als Notfälle behandelt wurden, deuten alle Symptome auf eine Vergiftung mit Schneckenkorn hin. Zwar müsse man auf die Laborergebnisse aus München warten, doch beide Tiere hätten klassische Merkmale wie Erbrechen und Krämpfe aufgewiesen, des Weiteren seien „farbige Bröckchen“ im Erbrochenen gefunden worden, welches auch nach Schneckenkorn-Gift gerochen habe.

Für das Besitzer-Paar Langbein/Kleinhans ist damit eine Welt zusammengebrochen. Erst im Oktober vergangenen Jahres kauften beide den ehemaligen Hof mit zweieinhalb Hektar Fläche, um mit ihren Kindern und Tieren sesshaft zu werden. Doch nun steht mehr denn je in Frage, ob es eine gemeinsamen Zukunft in Viesebeck gibt. Denn seit ihrer Ankunft im Wolfhager Stadtteil gibt es einen Streit mit einer Viesebeckerin.

Bereits am zweiten Tag hätte die Frau sich laut schimpfend über die Lärmbelästigung der Hunde beklagt, sagt die 29-jährige Mediendesignerin. Man habe zu dieser Zeit einen Wurf mit mehreren Welpen gehabt, und natürlich hätten diese auch mal unkontrolliert gebellt, sagt Kleinhans, der Online-Händler für Wein und Hundefutter ist.

Doch trotz einiger Versuche, den Streit zu schlichten, seien die Drohungen der Viesebeckerin immer heftiger geworden. Schließlich habe diese gar damit gedroht, die „Hunde zu vergiften“. Mehrere Besuche von Polizei, Ordnungsamt und Veterinäramt folgten. Aber bei all diesen Besuchen gab es von keiner Stelle Kritik an der Art der Tierhaltung, „ganz im Gegenteil“, sagt Kleinhans.

Nicht mehr am Leben: Die beiden Australian Shepherd, Cady und Blue, starben einen qualvollen Tod.

Man habe viel Lob für die Umgebung und Lebensumstände der Tierfamilie bekommen, zu der noch weitere Hunde, Katzen und Pferde zählen. Nachdem die Streitigkeiten der vergangenen Monate ohnehin nicht spurlos am Paar und ihrer Beziehung vorbeigegangen sind, steht mehr denn je in den Sternen, ob es für den Hamburger und die Bayerin eine Zukunft in Viesebeck geben kann, erklärt Langbein mit Tränen in den Augen. Sie war bereits nach zwei Monaten aufgrund der Belastungen in ihre alte Heimat zurückgekehrt und gerade erst wieder zu Besuch mit ihren beiden Hunden nach Viesebeck gekommen.

Doch Blue und Cady liegen nun begraben im Garten des Paares. Auf Nachfrage bei allen Nachbarn habe man die Auskunft erhalten, dass niemand Schneckenkorn im heimischen Garten ausgelegt habe, sagt Kleinhans traurig.

Das sagt die Polizei

Pressesprecher Karsten Turski bestätigt, dass seine Kollegen zu mehreren Einsätzen nach Viesebeck gerufen wurden, Beanstandungen an der Tierhaltung des Paares gab es jedoch nicht. Er bestätigte auch, dass der Tod der beiden Hunde zur Anzeige gebracht wurde. Sollte sich bewahrheiten, dass die Hunde vergiftet wurden, werde man wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ermitteln.

Das sagt die Viesebeckerin

Die Viesebeckerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, sagt, dass in der ersten Zeit ein gutes Verhältnis zwischen ihr und dem Paar bestanden habe. Erst als der Lärm von „elf großen und 20 kleinen Hunden“ unerträglich wurde, habe sich das geändert. Ihr Mann müsse tagsüber schlafen und dies sei nicht möglich. Weitere Vorwürfe: Ein Hund des Paares sei durch ein frisch gepflanztes Beet mit Blumen gelaufen und habe außerdem auf ihr Grundstück „geschissen.“

Sie fühle sich dadurch provoziert. Sie bestätigte, dass man mehrmals lautstark aneinandergeraten sei, doch mit Andre Kleinhans könne man nicht reden. Den Vorwurf, sie habe gedroht, die beiden Hunde zu vergiften, bestätigt die Frau ebenfalls. Mit dem Tod der beiden Vierbeiner habe sie aber nichts zu tun. Das Gift hätten die Hunde überall im Stadtteil Viesebeck aufnehmen können. (uli)

Quelle: HNA

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