Hypnose nimmt die Angst vor dem Zahnarzt

Gensungen. Linda Hadid hat Angst vor dem Zahnarzt. Trotzdem ist die junge Frau  in die Gensunger Praxis von Dr. Rusch gekommen. Vor dem Eingriff wurde sie hypnotisiert.

Dass es sich dabei nicht um Hokuspokus handelt, soll ein bundesweiter Aktionstag beweisen: 100 Praxen zeigen öffentlich Behandlungen mit Hypnose.

Sie gehen jetzt zu der Stelle an ihrem Körper, an der das Absperrventil ist, und stellen den Speichelfluss einfach ab“, sagt Zahnarzt Dr. Eberhard Rusch. Bei unvorbereiteten Patienten würden diese Worte wohl Lachanfälle auslösen – oder zumindest Irritation. Doch Linda Hadid bleibt ruhig. Das ist bemerkenswert: Denn die 26-Jährige hatte früher panische Angst vor dem Zahnarzt.

„Sanfte Zahnheilkunde“ heißt die Aktion. Veranstalter ist die Deutsche Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose (DGZH).

Wissenschaftlich anerkannt

Die Effekte, die Mediziner versprechen, sind enorm: Angst lasse sich nehmen, Blutung stoppen, Speichelfluss reduzieren. „Das funktioniert“, bestätigt Sohn Ingmar Rusch, der an diesem Tag die Füllungen macht. Hypnose sei wissenschaftlich anerkannt, bestätigt die Landeszahnärztekammer.

Im Extremfall ist laut Dr. Rusch sogar eine Betäubung ohne Chemie möglich. Ob die Hypnose wirkt, wird in einem Vorgespräch mit einer Art Probehypnose getestet. Vor der eigentlichen Behandlung versetzt Dr. Rusch seine Patienten in die Trance, einen schlafähnlichen Bewusstseinszustand. Anfangs benutzt er ein Lämpchen, später reichen Worte, um die Patientin zu beeinflussen. „Ich rede zum Teil Unsinn“, sagt Dr. Rusch. Verwirrung sei ein Element der Hypnose.

Patient schläft nicht ein

Dabei schläft der Patient nicht ein: „Ich war komplett da, allerdings erlebt man seine eigene Geschichte im Kopf“, sagt Hadid. Das sei mit einer Autofahrt vergleichbar, bei der man plötzlich ans Ziel kommt, ohne sich an die Fahrt zu erinnern.

Den Tipp mit der Hypnose gegen die Angst habe sie von ihrer Mutter bekommen. „Und die ist noch viel kritischer als ich.“

Von Showeinlagen im TV, bei denen Hypnotisierte seltsame Dinge tun, distanzieren sich die Mediziner. Da seien Tricks im Spiel, erklärt Rusch. Man könne den Patienten nicht zwingen: „Wenn ich nach der Nummer der Kreditkarte frage, funktioniert das nicht.“

Von Göran Gehlen

Quelle: HNA

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