Immer Tankstellen betroffen

Melsunger Überfall-Serie: Mitarbeiter berichtet von Todesangst

Melsungen. Innerhalb von vier Tagen gab es zwei Überfälle und einen Überfall-Versuch auf Melsunger Tankstellen. Ein Tankstellen-Mitarbeiter erzählt, wie er den Überfall erlebte.

Für Martin Müller (Name von der Redaktion geändert) ist nach dem Überfall auf die Honsel-Tankstelle in Melsungen nichts mehr, wie es vorher war.

Der 29-jährige Mitarbeiter wollte am Freitagabend gerade die Tankstelle an der Kasseler Straße verlassen, als plötzlich ein maskierter Mann vor ihm stand und ihn mit vorgehaltener Pistole zurück in den Laden drängte. „Der Täter hat mich so durch den Raum geschubst, dass ich in die Kühlung geflogen und auf den Boden gefallen bin“, schildert Müller. Als er auf dem Boden lag und der Unbekannte die Waffe auf ihn richtete, sei ihm alles Mögliche durch den Kopf gegangen, sagt der 29-Jährige. „Ich hatte Todesangst.“ Er habe am ganzen Körper gezittert, erinnert er sich.

Der für ihn schlimmste Moment aber stand ihm noch bevor: Nachdem sich der Täter aus der Kasse bedient hatte, zwang er Martin Müller, sich in einem Nebenraum mit dem Gesicht zur Wand auf einen Stuhl zu setzen und langsam bis zehn zu zählen. „Dabei hat er mir die Pistole in den Nacken gehalten“, sagt Müller. „Ich dachte: Jetzt drückt er ab.“ Aber der Täter drückte nicht ab - als Müller bis fünf gezählt hatte, verließ er die Tankstelle und flüchtete. Müller verständigte sofort die Polizei und seine Chefin. Der 29-Jährige erscheint weiterhin zur Arbeit. „Es bringt mir nichts, wenn ich mich jetzt zuhause verkrieche“, sagt er. Erholt hat er sich von dem schrecklichen Erlebnis aber noch nicht. „Ich zucke bei jedem Geräusch zusammen.“ Zu seinen Schichten bittet er deshalb nun Freunde, ihn zu begleiten - allein will er sich in der Tankstelle nicht mehr aufhalten. „Ich habe in den Colt geguckt - und das will ich kein zweites Mal erleben“, sagt er.

Müllers Kollegen hatten sich am Sonntag alle in der Tankstelle versammelt, um einander beizustehen. „Wir haben alle Angst. Das ist ein beschissenes Gefühl“, sagt eine Mitarbeiterin, „aber es hilft uns, miteinander darüber zu sprechen.“

Tankstellen-Inhaberin Mandy Adler hofft, dass der Täter schnell geschnappt wird. „Irgendwie muss man den Typ stoppen“, sagt sie. Adler hatte die Tankstelle im November 2013 übernommen und eine neue Alarmanlage eingebaut -aber mit Überfällen müssen die Mitarbeiter dennoch rechnen. „Das gehört zum Berufsrisiko“, sagt Martin Müller. Er mache diesen Job jetzt seit 13 Jahren und habe sich bislang immer sicher gefühlt. Aber damit sei es jetzt vorbei.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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