"Diesmal ist es ernst": Feuerwehrmann erinnert sich an das Inferno

Faszinierte viele Leser: Das Foto des Ziegenhainer Feuerwehrmannes Jochen Möller.

Schwalmstadt. Ein einzelner Feuerwehrmann vor einer haushohen Wand aus Rauch und Feuer: Das Bild vom Ziegenhainer Brandmeister Jochen Möller, das beim Brand des Schwalmgymnasiums entstand, löste bei vielen Lesern der Schwälmer Allgemeine eine schaurige Faszination aus.

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Etliche wollten das Bild haben. 100 Tage nach dem Brand besuchten wir den für die meisten Schwälmer unbekannten Retter zuhause.

Der 51-jährige Familienvater wird den 26. Februar 2011 nicht mehr vergessen. Es war ein Samstag, die Sonne schien vom wolkenlosen Himmel und der Vorarbeiter des Alit-Werks verbrachte den freien Tag zuhause. Als der Alarm gegen 13.30 Uhr ertönte, blieb er zunächst gelassen. In den vergangenen Wochen hatten Brandmelder häufig für Fehlalarm gesorgt oder wegen Kleinigkeiten angeschlagen.

Kinder auch bei Feuerwehr

Gemeinsam mit seinen Kindern Tobias und Annika, die auch bei der Feuerwehr sind, machte er sich auf den Weg zum Stützpunkt. „Schon auf dem Weg dahin sah ich die dunkle Rauchsäule über Treysa. Ich wusste, das heißt nichts Gutes, diesmal ist es ernst. “

Auf einem LF 16 rückte er als Gruppenführer aus. Mit seinen acht Mann war er einer der ersten am Brandort. „Über Funk bekam ich den Auftrag: Auf der linken Seite Stellung beziehen und das angrenzende Schulgebäude halten.“ Dass der naturwissenschaftliche Trakt nicht zu retten gewesen ist, habe sich schnell gezeigt.

Mit seinen Kameraden ging Möller zwischen Turnhalle und naturwissenschaftlichem Trakt in Stellung. Mit der Turnhalle im Rücken war ein schnelles Ausweichen nicht möglich. Unterdessen entwickelte sich eine Walze aus Rauch und Feuer über den Fenstern des Gebäudes. „Es war eine haarige Geschichte, aber es gab keine andere Möglichkeit. Wir mussten uns dazwischen stellen, sonst wäre die Turnhalle durch die Wärmestrahlung auch in Flammen aufgegangen.“

Immer wieder musste das Dach der Turnhalle mit Wasser gekühlt und gelöscht werden. Unterdessen fraßen sich die Flammen weiter Richtung Altbau. „Ich merkte, das wird schwierig“, sagt Möller. Plötzlich begannen die Fensterscheiben der Turnhalle wegen der Hitze zu platzen. Scherben flogen durch die Luft. Sie verletzten einen Ziegenhainer Feuerwehrmann schwer an der Hand, seine Sehnen wurden durchtrennt.

Doch der Kampf gegen die Flammen musste weitergehen – auch als die Decke des naturwissenschaftlichen Gebäudes einstürzte. Dort waren gerade zwei Kameraden von Möller damit beschäftigt, die Flammen vom Altbau fern zu halten. „Zum Glück ist ihnen nichts passiert.“

Währenddessen saß Jochen Möllers Frau Viola zuhause am Computer und sah sich auf HNA.de die ersten Bilder vom Brand an. „Als ich im Internet das Foto meines Mannes sah, war ich erstmal geschockt.“

Nach über 13 Stunden Löscheinsatz und Brandwache kam ihr Mann um drei Uhr nachts wohlbehalten nachhause. Den HNA-Bericht mit seinem Foto hat er aufgehoben.

Von Bastian Ludwig

Quelle: HNA

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