Virtuelles Gründerzentrum bangt um Finanzierung – auf jeden Fall geht es weiter

Von der Idee zur Firma

Im Gespräch: Sholeh Hosseini aus Schwalmstadt (Mitte) mit Rolf Herter und Tanja Damm vom virtuellen Gründerzentrum in Treysa. Foto: Thiery

Schwalmstadt. Sholeh Hosseini aus Schwalmstadt will eine Massagepraxis eröffnen. Dafür braucht die 45-jährige Iranerin viele Informationen darüber, wie ein kleines Unternehmen geführt wird. All diese bekommt sie derzeit vom virtuellen Gründerzentrum in Treysa.

Tanja Damm und Rolf Herter beraten die Mutter von zwei Kindern auf ihrem Weg in die Selbständigkeit. In den vergangenen fünf Jahren haben sie auf diese Weise 320 Menschen geholfen.

Hosseini hat gerade ihren dritten Termin bei Damm und Herter. Im Moment geht es darum, Räume für die ayurvedischen Massagen zu finden. Die Schwalmstädterin hat einen Kurs mit Zertifikat absolviert, der sie berechtigt eine Praxis zu eröffnen. Mit der Selbstständigkeit will sie Familie und Beruf kombinieren.

Viele Fragen am Anfang

Ein Fall wie dieser sei beispielhaft für die Arbeit im Gründerzentrum, erklärt Rolf Herter. Oft gehe es bei der Beratung um kleinere Betriebe. Die Spanne reiche vom Pflegedienst bis zur Parkettlegefirma. Viele Menschen kämen mit einer Idee, aber ohne Ahnung, wie man ein Geschäft eröffnet, erzählt er. Die meisten seien arbeitslos und versuchten so einen Neuanfang.

„Wir sind Anlaufstelle, helfen und vermitteln Kontakte zu Behörden und Banken, beschaffen Fördermittel und drucken zur Not auch noch die erste Broschüre”, sagte Herter.

Damit der Überblick über die Finanzen stimme, sei von Anfang an eine geregelte Buchführung das Wichtigste. Deshalb finanziert das Förderzentrum die ersten drei Monate einen Steuerberater. Ein weiterer Bonus ist eine Zeitungsannonce mit einem Pressetext über die Eröffnung.

Wenn die Berater eine Chance sehen, setzten sie sich voll ein, scheint das Vorhaben in ihren Augen aber aussichtslos scheint, raten sie auch ab. „Ich halte es für meine Pflicht, die Leute vor unnötigen Schulden zu bewahren”, sagt Herter. Etwa 50 Prozent der Bewerber habe er abgewiesen.

Derzeit steht die Finanzierung des Gründerzentrums in der Diskussion. Die Förderung des Landes Hessen läuft dieses Jahr aus. 42 000 Euro braucht das Zentrum jedes Jahr für seinen Betrieb. 25 000 Euro kamen bislang als Fördermittel vom Land. Die vier beteiligten Kommunen Schwalmstadt, Gilserberg, Willingshausen und Frielendorf müssen die Finanzierung von nun an alleine stemmen. Schwalmstadt zahlt zwei Drittel, die anderen Gemeinden teilen sich den Rest. Schwalmstadt und Frielendorf haben ihren Beitrag schon zugesagt. (zty)

Kontakt: Virtuelles Gründerzentrum, Tel. 06691/ 20 71 24, www.vgz-schwalm.de. Bürozeiten: Montag bis Mittwoch: 8.30 Uhr bis13 Uhr, Montag und Dienstag 14 Uhr bis 16 Uhr. (red)

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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