Ideenschmiede für Maschinenparks

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Messtechniker Jürgen Proksch aus Ostheim 

Melsungen. Im Werk E der B. Braun Melsungen AG sind rund um die Uhr Ideen willkommen. Besucher ahnen das schon im Treppenhaus des Werks nahe der Freundschaftsinsel: „Suche nicht nach Fehlern, suche nach Lösungen“, wird da etwa die Automobillegende Henry Ford zitiert.

Im Werk am Schwarzenberger Weg entwerfen und bauen Ingenieure, Werkzeugmacher, Schlosser, Elektroniker, Konstrukteure und Informatiker Maschinenparks, die wiederum die Produkte der B. Braun Melsungen AG in aller Welt herstellen oder aus Einzelteilen zusammensetzen.

Das Unternehmen heißt Global Technical Service und beschäftigt weltweit 200 Menschen. Innerhalb der B. Braun AG arbeitet es gleichsam selbstständig und muss Gewinne erwirtschaften, berichtet Werkleiter Karl-Heinz Koch. Die Sondermaschinen produzieren dann die B. Braun-Produkt-Palette.

An ihrer Modellhistorie lässt sich eine Entwicklung ablesen: von der Hand- zur Vollmontage. Die aber ist noch nicht in der ganzen Welt etabliert, so dass im Werk E nach wie vor viel zu tun ist. Monatelang arbeitete man dieses Jahr beispielsweise an einer vollautomatischen Produktionsstraße für Malaysia.

Die Sondermaschine soll dort die Venenverweilkanüle mit Sicherheitsclip Vasofix Safety aus Komponenten zusammensetzen. Sie wird am Schwarzenberger Weg komplett zusammengesetzt und läuft dort mit Personal aus Malaysia auch Probe. Aber erst wenn die Produktionsstraße reibungslos arbeitet, geht sie zerlegt per Flugzeug oder auf dem Seeweg nach Südostasien.

Haargenau ist nicht genug

Computer steuern und überwachen da beispielsweise die Herstellung der Venenverweilkanüle, bei der an einer Ecke mal in exakt 0,35 Sekunden Einzelteile auf 360 Grad Celsius erhitzt und an einer anderen Ecke Kameras die Qualität der Produkte überwachen. Klar, dass da alles präzise ineinandergreifen muss. Messtechniker und Industriemeister Jürgen Proksch ist einer, der beispielsweise Schutzkappen für Nadeln optisch vermisst und sich keine Fehler leisten kann. Wenn der Ostheimer einen Messbericht freigibt, tritt er eine Produktionskette los, die rund um den Globus Bedeutung hat. „Ich habe mir das ausgesucht“, sagt der 46-Jährige, der seit 31 Jahren bei B. Braun arbeitet und mit seiner Familie in Ostheim lebt, wo er im Dart-Cub mitspielt.

Das Werk E am Schwarzenberger Weg: Dort entwickeln die Mitarbeiter Maschinenparks fürs In- und Ausland.

Auf den Mitarbeitern im Werk E lastet viel Verantwortung. Werkzeugmacher Achim Wude aus Beiseförth etwa stellt bis zu 300 000 Euro teure Spritzgussmaschinen her. Beim Fräsen, Bohren und Schleifen heißt das Motto: Haargenau ist nicht genau genug. Auch Techniker Ali Cuce, in seiner Heimatstadt Spangenberg Vorsitzender des deutsch-türkischen Integrationsvereins Kaleidoskop, muss sehr präzise arbeiten, wenn er Rohlinge mit Temperaturen von teilweise 15 000 Grad Celsius bearbeitet.

Ihre Frau in dieser Männerdomäne steht Maschinenschlosserin Andrea Knierim-Schaumburg, die an einer Drehbank mit Lichtlupe, Schere und Polierstift Spezialwerkzeugen für die Maschinenparks den Feinschliff verpasst. Das fordert oft genug stundenlange Konzentrationsarbeit. Das ist es gut, dass die gebürtige Spangenbergerin zum Ausgleich einen Garten in Vellmar hat, wo sie mit ihrer Familie wohnt.

Von Lorenz Grugel

Quelle: HNA

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