HNA-Interview: Wer sind die Identitären?

Rechtsextremismus-Experte über Identitäre Bewegung: Es gibt Aktivisten in Nordhessen

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Der griechische Buchstabe Lambda: Das Logo wurde auch in dem Hollywoodfilm „300“ verwendet. Dort ist es das Symbol der Spartaner, die im antiken Griechenland gegen das Heer der Perser kämpfen. Damit sollen junge Menschen angesprochen werden, hier Identitäre bei einer Demo in Hamburg. 

Frielendorf. Unbekannte haben am Wochenende verschiedene Symbole und Sprüche mit rechtem Hintergrund ans Frielendorfer Rathaus gesprüht. Ein HNA-Interview mit einem Rechtsextremismus-Experte über diese Schmierereien.

Am Wochenende tauchten Spuren der Identitären Bewegung in Frielendorf auf. Über die rechte Bewegung, die der Verfassungsschutz im Visier hat, sprachen wir mit dem Rechtsextremismus-Experten Helge von Horn.

Herr von Horn, wer sind die Identitären, welche Ziele verfolgen sie?

Helge von Horn: Die sogenannte Identitäre Bewegung tritt seit 2012 in der Bundesrepublik in Erscheinung. Es war ein Versuch, eine in Frankreich bereits seit mehreren Jahren existierende extrem Rechte Bewegung auf die Bundesrepublik zu übertragen. Ihr wichtigstes Thema ist die Einwanderung. In ihrer Vorstellung ist von „den Herrschenden“ durch Migration ein Bevölkerungsaustausch geplant, den sie verhindern wollen. Identität bedeutet dabei nichts anderes, als ein kulturell begründeter Rassismus, der vor allem auf Abschottung abzielt.

Woran erkennt man deren Aufkleber? Wie sehen Graffitis aus?

von Horn: Die Identitäre Bewegung hat sich eigene Symboliken gesucht, um sich von den bereits bestehenden rechtsextremen Gruppierungen abzusetzen. Ihr Logo beispielsweise stammt aus einem Hollywoodfilm, die Farbgebung ist schwarz-gelb nicht schwarz-weiß-rot. Häufig werden bekannte Motive aus der Lebenswelt von Jugendlichen genutzt, um interessanter zu wirken.

Durch welche Aktionen machen die Identitären auf sich aufmerksam? Sind sie aktuell besonders aktiv?

von Horn: Es sind vor allem spektakuläre Aktionen, mit denen sie möglichst viel Aufmerksamkeit erregen wollen. So sind beispielsweise in der Vergangenheit Parteibüros oder Veranstaltungen gestürmt worden, erst vor Kurzem wurden Banner vom Brandenburger Tor herabgelassen. Daneben gibt es Nacht- und Nebelaktionen wie jetzt in Frielendorf. Im Schutz der Dunkelheit werden Parolen gesprüht oder Aufkleber geklebt. Hessenweit gibt es inzwischen mehrere Fälle, wo dies im Vorfeld von Straßenfesten oder anderen öffentlichen Veranstaltungen geschehen ist.

Wie ist die Aktion in Frielendorf einzuschätzen? Warum gerade dort?

von Horn: Weil dort mit dem am nächsten Tag stattfindenen Straßenfest eine große Öffentlichkeit erreicht werden sollte. Außerdem scheint es in der Region Aktivisten der Identitären Bewegung zu geben, die nun verstärkt aktiv geworden sind. Die vielen Aufkleber und Sprühereien in den vergangenen Wochen zeugen davon.

Welche rechtlichen Folgen könnte das für die Täter haben, üblicherweise nutzen sie Kreide, so dass eine Sachbeschädigung nicht nachzuweisen ist?

von Horn: Zumindest im Fall der Schmierereien am Rathaus wird die Aktion wohl eine Anzeige wegen Sachbeschädigung nach sich ziehen. Die inzwischen immensen Reinigungskosten sollte man den Tätern auch auflasten können, wenn sie gefasst werden. Aber die Identitäre Bewegung versucht sich möglichst als legal agierende Bewegung darzustellen, die keine Straftaten begehen würde. Das dies unter dem Label allerdings doch regelmäßig passiert, wird gern verschwiegen. Interessierten soll so suggeriert werden, das sie keine nachteiligen Folgen befürchten müssten, wenn sie sich bei der Identitären Bewegung betätigen.

Stehen die Identitären möglicherweise in Verbindung mit anderen rechten Gruppierungen hier vor Ort?

von Horn: Die Freien Kräfte Schwalm-Eder waren von ihrer Handlungsweise und der Zielgruppe ganz verschieden zu den jetzigen Identitären. Bei ihnen stand damals die Gewalt weit oben auf der Agenda, das Auftreten sollte abschrecken und einschüchtern. Die Identitäre Bewegung gibt sich als die „netten Nachbarn“, vor denen man nichts zu befürchten hätte.

Bei den Zielen und der Ideologie haben beide Gruppierungen allerdings eine große Schnittmenge. Die Identitäre Bewegung verklausuliert allerdings ihre eigentlichen Ziele und versteckt sie hinter Begriffen wie Identität, Heimat oder Tradition. Was sie eigentlich wollen, ist nur schwer dahinter zu erkennen, aber das macht sie nur noch gefährlicher. 

Quelle: HNA

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