Igel in Not suchen Hilfe des Menschen

Igelexperte aus Zierenberg erklärt, was die Tiere derzeit wirklich brauchen

Zierenberg. Der Verein Igel-Arche in Zierenberg kümmert sich unter der Leitung von Rüdiger Rister um verletzte und kranke Igel. Diese Tiere gehören inzwischen wegen Veränderung der Lebensräume und Herr Rister, mit welchen Problemen sehen sich unsere Igel heute konfrontiert?

Rüdiger Rister:  Die Gefahren für Igel steigen stetig an. Der vermehrte Einsatz von Giften in Land und Flur, die Zunahme der Fressfeinde wie Waschbär, Dachs, Fuchs, Greifvögel und Krähen. In einigen Teilen Europas ist der Igel bereits großflächig verschwunden, so zum Beispiel in den Niederlanden. Für Großbritannien hat man nach jahrelangen Beobachtungsreihen das Ende des Igels dort auf das Jahr 2025 berechnet. An Schutz- oder Ausgleichsmaßnahmen für Igel hat bislang noch keiner auch nur ansatzweise gedacht.

Woran erkennt man, dass ein Igel Hilfe braucht? 

Rister:  Hilfsbedürftigkeit hängt nicht vom Gewicht, sondern vom Gesundheits- und Ernährungszustand und der Auffindesituation ab. Faucht und stachelt der Igel und rennt weg, dann braucht er uns nicht. Hilfsbedürftige Igel suchen vielfach aktiv die Hilfe des Menschen, gehen auf ihn zu, zeigen sich, lassen sich hochnehmen. Ursachen für Notlagen beim Igel sind Kälte, Schnee und Eis, Krankheit, Verletzung, Unterernährung.

Wieviel muss ein Igel wiegen, um über den Winter zu kommen?

Rister: Das Gewicht spielt beim Igel keine Rolle, denn es gibt große und kleine Igel. Die 500-Gramm-Regel ist hartnäckiger Abgerglauben. Erwachsene Igel wiegen 500 Gramm bis 2000 Gramm, Ausreißer in beide Gewichtsrichtungen bestätigen die Regel.

Welche Fälle betreuen Sie in der Igel-Arche? 

Rister: Wir verstehen uns als Hospital für kranke Waisen-Igel, getragen von unseren Mitgliedern und Spenden. So ist das Spektrum der Krankheiten und Verletzungen unserer kleinen stachligen Patienten weit gefächert und wir haben alle Arten von traurigen Schicksalen zur Betreuung.

Wie kann ich meinen Garten igelfreundlich gestalten? 

Rister: In unseren Gärten sollten wir Ecken unbearbeitet lassen und dort Reisighaufen mit unseren Gartenabfällen anlegen, optimal mit zum Boden hin isolierten Höhlen darunter. In so einem Haufen entsteht Reaktionswärme und er bietet Schutz für viele Tierarten. Noch besser ist es den Tieren, hier den Igeln Zugang zu Gartenhäuschen, Schuppen, o.ä. dauerhaft zu ermöglich, sodass sie sich darin verkriechen können.

Wenn ich einen hilfsbedürftigen Igel gefunden habe, was muss ich zur Erstversorgung tun?

Rister: Am besten mit einem alten Handtuch aufnehmen und darin transportieren. Zur Erstversorgung immer auf Zimmertemperatur warm halten, aus der Sonne nehmen. Draussen, Keller oder Balkon sind eindeutig zu kalt. Kein Rotlicht verwenden. Eine Wärmflasche nur an die Seite packen, nie unter das Tier legen, dann kocht der Igel. Zum trinken niemals Milch, nur Wasser anbieten. Findet man eine Gruppe herumliegender Babyigel, ist sofortige Hilfe erforderlich, hier wurde das Muttertier getötet und die Babies suchen Hilfe.

Was fasziniert Sie so an Igeln? 

Rister: Ich bin vor 16 Jahren dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Um so mehr ich mich mit diesen Lebewesen befasste, desto größer wurde der Repekt und die Faszination, immerhin mache ich das hauptberuflich an 365 Tagen im Jahr.

Als ich dann noch nach 2 Jahren intensivster Beschäftigung mit Igeln durch Zufall herausfand wie man mit ihnen kommunizieren und Freundschaft schließen kann waren alle Dämme gebrochen.

Von Christine Heinz

Quelle: HNA

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