Rüdiger Rister leitet seit 15 Jahren die einzige Igelstation Europas in Zierenberg

Der mit den Igeln schmust

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Von weit her (von links): Cäcilia Theuermann-Kusenack aus Rheine (Nord-Rhein-Westfalen) ist mit ihrem eineinhalbjährigen Igelweibchen Oskarline zur Igel-Arche von Rüdiger Rister gereist.

Zierenberg. Die Beinchen hängen entspannt von der Hand herunter. Die schwarzen Knopfaugen haben Mühe aufzubleiben. Rüdiger Rister und das zweijährige Igelweibchen Fienchen genießen die Streicheleinheiten.

So entspannt sieht man Igel selten in der Nähe von Menschen. Solch ein Ort zum Wohlfühlen ist die Igelarche in Zierenberg, seit 15 Jahren geleitet von Rüdiger Rister. Zur Arche gehören das Hospital, Außengehege und die Forschungsstation. Der Tierfreund ist weltweit der einzige „Igel-Flüsterer“.

„Zu 94 Prozent sind Igel genetisch mit uns Menschen identisch“, sagt Rüdiger Rister. Die stacheligen Vierbeiner gab es bereits vor 65 Millionen fahren. „Äußerlich haben sie sich seitdem kaum verändert“, sagt der Tierfreund. „Igel haben aber ein extrem gutes Gedächtnis und verfügen über eine eigene innere Uhr.“ So erscheinen sie immer pünktlich an ihren Futterstellen. Ein Revier, das Igel nur einmal durchforstet haben, erkennen sie immer wieder.

Igel sind emotional

„Das betrifft sowohl blinde als auch nicht riechende Igel“, sagt Rüdiger Rister. „Igel sind sehr emotional“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Igelarche. „Sie kommunizieren auf einer anderen Ebene.“ Man wisse aber noch viel zu wenig über die stacheligen Säugetiere. In der Ausbildung beispielsweise von Tierärzten komme der Igel so gut wie nicht vor. „Sie erkennen sich im Spiegel“, nennt er einen interessanten Aspekt. Igel verfügen über ein Bewusstsein.

Das Schicksal hat Rüdiger Rister zu den Igeln gebracht. „Ich hatte einen Autounfall und zwei Schlaganfälle“, sagt der Tierfreund. Schwerere Schläge, die den 59-Jährigen aus seinem vorherigen Leben rissen. Durch einen Zufall ist er auf die stacheligen Vierbeiner gestoßen. „Wir haben einen kranken Igel gefunden“, sagt Rüdiger Rister. Auf Grund einer falschen Behandlung bei einer Tierärztin ist das Säugetier trotzdem gestorben. Das Interesse war aber entfacht.

Der Tierfreund begann sich in Fachbüchern schlau zu machen. Erfolgreich konnte Rüdiger Rister einen zweiten Igel aufpäppeln. Die stacheligen Säugetiere wurden zum festen Bestandteil im Leben des 59-Jährigen. „Die 15 Jahre waren die tollste Zeit meines Lebens.“ Doch auch Sorgen drücken den 59-Jährigen. „Igel sind vom Aussterben bedroht und stehen auf der Roten Liste“, sagt Rüdiger Rister. Viel zu wenig werde für die Säugetiere getan.

Mythen und Widersprüche ranken sich um den kleinen Vierbeiner. Beispielsweise vertragen Igel keine Milch, da sie eine Laktose-Unverträglichkeit haben. Wenn der Winter mild und verregnet ist, brauchen Igel keinen Winterschlaf zu halten.

„Wenn Igel Hilfe brauchen gehen sie auf Menschen zu oder lassen sich streicheln“. Das Gewicht der Tiere „schwankt zwischen 500 Gramm und 2,5 Kilogramm.“

Quelle: HNA

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