Stipendiatin Nina Kaun stellt ihre Werke in der Kunsthalle Willingshausen aus

Wie immer im Frühling

Prozess des Tuns, des Findens und Erfindens: Die Arbeiten, die in der Zeit ihres Stipendiums in Willingshausen entstanden sind, zeigt die Kasseler Künstlerin Nina Kaun (38) bis 20. Dezember in der Kunsthalle. Foto: Rose

Willingshausen. Wie immer im Frühling: Dabei ist es doch mitten im Herbst. Nicht nur der Titel der Ausstellung gab den Gästen am Freitagabend in der Kunsthalle Rätsel auf. Licht ins Dunkel der Werkschau der 37. Willingshäuser Künstlerstipendiatin Nina Kaun brachte Kurator Bernhard Balkenhol.

In der gut gefüllten Kunsthalle gab Balkenhol spannende Einblicke und Anregungen für den Umgang mit Kauns Kunst. Gegenstand der Ausstellung ist diesmal unter anderem ein druckfrisches Buch, erschienen im Kasseler Verlag Rotopol und ab sofort auch im Handel sowie in der Kunsthalle erhältlich. Darin sind Siebdrucke zu sehen, die aktuell die Wände der Kunsthalle illustrieren. Nina Kaun habe in ihren Werken bewusst Perspektiven umgedreht. „Sie beleuchtet Dinge. Aber in dem Sinne, dass es sich erst dann zeigt, wenn man es beleuchtet“, erklärte Balkenhol. Künstler machten ein Licht an, um Gegenstände herzustellen.

Immer seien sie Teil einer Welt, von Träumen, Hoffnungen, Wünschen. „Auch Erfindungen erscheinen in diesem Licht.“ Nina Kaun beweise, dass alles, was vor einem sei, auch in Frage gestellt werden könne. Sie stelle nicht nur ihre Realität in Frage, sondern auch sich selbst. Kaun entwerfe eine Geflecht, das „zeigt, was sie selbst ist und was im Kopf entstanden ist“. Eine weitere Ebene transportiere die Kasseler Künstlerin auf das Papier. „Kunst ist ein Prozess des Tuns, des Findens und Erfindens“, sagte Balkenhol.

Ähnlich gehe Nina Kaun auch mit Sprache um: „Sie weigert sich, logisch und chronologisch zu schreiben und zu erzählen.“ Sie setze darauf, dass auch Strukturen zurück sprechen könnten. Dies erfordere Präsenz in der Arbeit und die Entschiedenheit, sich im Geflecht zu bewegen. Auch Kauns Wahl der Technik Siebdruck – ein Schablonendruck, der übereinander gelegt wird – biete Anteile der Interpretation. Daraus entstehe ein prozesshaftes Endergebnis, das den Diskurs anrege. Die Künstlerin stelle auch ihre eigene Wirklichkeit in Frage. „Mit diesen Gedanken lade ich Sie zum Rundgang ein“, schloss Balkenhol. • Zu sehen ist die Ausstellung bis Freitag, 20. Dezember

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

Kommentare