Verband fordert geringere Mehrwertsteuer für Gastronomie

Immer mehr Kneipen müssen schließen

Wolfhager Land. In der jüngsten Zeit sind geschätzte 20 Prozent aller Kneipen im Wolfhager Land geschlossen worden. Das sagte Gerhard Boucsein, Vorsitzender des deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Nord- und Osthessen, auf Anfrage der HNA.

Um dieser bundesweiten Entwicklung entgegen zu wirken, fordert Boucsein die Senkung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie von 19 auf sieben Prozent. „Wenn ich bei einer Metzgerei eine Bratwurst kaufe und sie unterwegs esse, bezahle ich sieben Prozent Mehrwertsteuer. Wenn ich das gleiche in einem Restaurant esse und an einem Tisch sitze, muss ich neunzehn Prozent Mehrwertsteuer bezahlen“, erklärte der Gastronom.

Die unterschiedliche Besteuerung sei aber nur ein Grund von vielen, die für das Kneipensterben verantwortlich wären.

Zum Beispiel würden die hohen Fassbierpreise die Kassen der Kneipen stark belasten. „Jeder Supermarkt verkauft Flaschenbier. Durch die Macht der großen Supermarktketten sind die Preise für Flaschenbier stabil geblieben“, sagte Boucsein. Die Preise für Fassbier wären allerdings gestiegen.

Stefan Frankfurth, der Inhaber des Parkhotels Emstaler Höhe, sieht vor allem ein Problem beim geänderten Konsumverhalten der Kneipengänger. Durch die abgesenkte Promillegrenze würde weniger Alkohol in Gaststätten getrunken. Zudem gäbe es heute ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein als früher.

Beide Experten sind sich außerdem einig, dass die Beliebtheit von Vereinsheimen den Kneipen zusätzlich geschadet hat. „Vor ein paar Jahren traf man sich nach dem Fußballspiel in der Dorfkneipe - heute geht man in das Vereinsheim“, sagte Frankfurth. Gerhard Boucsein hält das Rauchverbot, das in Vereinsheimen oft nicht gelte, für diesen Trend maßgeblich verantwortlich.

Von Juri Auel

Quelle: HNA

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