Leben in ihrer Gemeinde

Indische Pfarrerin besucht Melsungen

Wollen die Partnerschaft zwischen dem Kirchenkreis Melsungen und der Diözese Nord-Karnataka wiederbeleben: Dekan Rudolf Schulze und Pfarrerin Hanna Niranjan. Foto: Maier

Melsungen. Mehrarmige Götter und fremd anmutende Bräuche – das sind Bilder, die oft mit Religion in Indien in Verbindung gebracht werden. Dass auf dem Subkontinent mehrere Millionen Christen leben, wird dabei übersehen.

Eine Vertreterin der indischen Protestanten ist Hanna Niranjan. Sie ist Pfarrerin einer Gemeinde in der Diözese Nord-Karnataka, mit der der Kirchenkreis Melsungen eine Partnerschaft unterhält.

Ihr Ehemann Ravikumar James Niranjan ist Bischof in Nord-Karnataka. Beide waren früher für die Landeskirche Kurhessen-Waldeck tätig und haben in Waldkappel gelebt. Von einem Treffen n in Estland kommend, hat die Pfarrerin die Landeskirche Kurhessen-Waldeck und den Kirchenkreis Melsungen besucht.

Hanna Niranjan kennt sowohl die deutsche Kirche als auch die Kirche von Südindien. „Das Gemeindeleben in Indien unterscheidet sich von dem in Deutschland“, sagt sie. Beim Sonntagsgottesdienst sind die indischen Kirchen voll. Alle Generationen nehmen am Gottesdienst teil. Schon die Kinder kennen sich sehr gut in der christlichen Lehre aus.

Generell sind Christen in Indien sehr stark am Gemeindeleben beteiligt, beschreibt die Pfarrerin die Situation. Rund 1,5 Prozent der Bevölkerung sind Protestanten. Die Zahl der Christen insgesamt liegt bei mehr als zwei Prozent. Da sie eine Minderheit sind, spielt das Glaubensbekenntnis eine größere Rolle im Leben. Wer Christ ist, der ist es mit Leidenschaft.

Kein einaches Leben

„Christen haben es in Indien oft schwer“, berichtet Hanna Niranjan. Die religiöse Mehrheit sind die Hindus. Unter ihnen gebe es eine stärker werdende fundamentalistische Strömung, die den Christen Bekehrungsversuche unterstellt. „Sie sagen, das Christentum komme aus Europa und habe in Indien nichts verloren.“ Die Fundamentalisten stellen damit die Religionsfreiheit in Frage, die durch die Verfassung eigentlich garantiert wird.

Doch trotz der Probleme gebe es immer mehr Christen, sagt Niranjan erfreut. Einige von ihnen leben ihren Glauben im Geheimen aus. In der Öffentlichkeit benehmen sie sich wie Hindus, weil sie dadurch keine Nachteile befürchten müssen.

Durch die Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Melsungen gibt es einen Austausch zwischen den hiesigen und den indischen Gläubigen. „Die Partnerschaft existiert schon seit 25 Jahren“, erklärt Dekan Rudolf Schulze. Ein wichtiger Bestandteil dieser Beziehung sei der Personalaustausch: Mitarbeiter der indischen Kirche verbringen mehrere Jahre in Melsungen und umgekehrt. Ein anderer Aspekt ist die Förderung von Projekten. So unterstützte der Kirchenkreis lange Zeit eine Krankenstation in Indien. Nun wolle man ein neues Projekt finden, kündigt Schulze an. Der Besuch von Hanna Niranjan komme da gerade recht.

Quelle: HNA

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