Verletzungsrisiko sei zu groß

Initiative fordert Verbot von Pferden bei Festzug in Wolfhagen

Wolfhagen. Die „Pferdeschutz-Initiative 2015" fordert die Stadt Wolfhagen auf, die Teilnahme von Pferden beim Viehmarktsfestzug am 16. Juli zu verbieten.

„Das Verletzungsrisiko für Tier und Mensch ist zu groß", sagt Dieter Kübbeler, Begründer der Initiative. Ein entsprechendes Anschreiben hatte er an die Verwaltung geschickt. Die wird darauf nicht reagieren, sagt Ordnungsamtsleiter Helmut Rupp.

„Das Risiko ist gering, aber es ist vorhanden“, sagt Kübbeler, der seine Initiative von Hennef in der Nähe von Bonn steuert. „Wir sind keine radikalen Tierschützer“, stellt er klar. Aber die vielen Menschen und die Musik seien für die Tiere ungewohnt. Für die Tiere sei ein solcher Festzug „purer Stress“ und damit „unverantwortlich“.

Sieben Pferde werden in diesem Jahr beim Umzug dabei sein, sagt Ordnungsamtsleiter Helmut Rupp. Dabei achte man darauf, dass die Tiere beispielsweise nicht zu nahe an Musikgruppen gehen. „Wir möchten natürlich nicht, dass etwas passiert“, sagt Rupp. Deshalb achte man auf die Aufstellung.

Außerdem seien die Pferde, die zum Einsatz kommen, erfahren und nicht zum ersten Mal dabei. Auf die Aufforderung der Pferde-Initiative werde man nicht reagieren.

Fünf der Pferde, die beim Festzug mitlaufen werden, sind vom Reitverein Wolfhagen. Vorsitzender Heinz Heinemann sagt, dass die Tiere daran gewöhnt seien und keinen Stress hätten. „Ich kann die Kritik nicht nachvollziehen“, sagt er. Der Verein gehe auf Nummer sicher, deshalb würde im Vorfeld mit den Pferden und Musik trainiert.

Dass die Tiere Stress ausgesetzt seien bei solchen Veranstaltungen, wenn sie dies nicht gewöhnt seien, sagt Dr. Sabine Kneißl, Leiterin des Fachbereis Veterinärwesen beim Landkreis Kassel. Sie sollten nur in Umzügen mitgehen, sofern sie trainiert seien.

Die wichtigsten Fragen:

Empfinden Pferde in Festzügen Stress?

„Das kommt auf den Einzelfall und die Vorbereitung von Pferd und Reiter an“, sagt Dr. Sabine Kneißl. „Pferde empfinden im Festzug Stress, wenn sie an die besondere Belastung eines solchen Umzugs nicht oder in nicht ausreichendem Maße gewöhnt sind.“ Zunächst müsse das Fluchttier Pferd, ohne Reiter, im Normalfall Flucht auslösende Situationen kennenlernen wie Menschenmengen oder unvorhergesehene, laute Geräusche oder auch flatternde Tücher. Deshalb müsse gezielt trainiert werden.

„Nur ein gewöhntes Pferd reagiert in solchen Situationen souverän und ruhig und bleibt dadurch auch für den Reiter kontrollierbar und steuerbar.“

Dürfen die Tiere im Vorfeld mit Medikamenten beruhigt werden?

Nein, sagt Kneißl. „Gewöhnte und für den besonderen Einsatz ausgebildete und trainierte Pferde benötigen keine Medikation.“ Sind die Tiere nicht genügend ausgebildet, so die Expertin, lasse sich das durch Arznei nicht kompensieren.

Auch könnten von Medikamenten unerwünschte Nebenwirkungen ausgehen, beispielsweise könne eine „drohende Gangunsicherheit durch den Einsatz von Medikamenten eine tatsächliche Gefährdung für Personen und Pferde mit sich bringen“ warnt Kneißl.

Wie wichtig sind Ausbildung von Reiter und Pferd?

„Gut ausgebildete Pferde sind ebenso wichtig wie gut ausgebildete Reiter“, sagt die Veterinäramtsleiterin.

Wie kann man den Stress von Pferden bei Festumzügen abbauen?

„Es sollte immer auch eine Fußperson dabei sein, die im Bedarfsfall zusätzlich zum Reiter beruhigend auf Pferde einwirken kann“, sagt Dr. Kneißl. Auch die Startfolge ist wichtig, die Tiere sollten nicht direkt vor oder nach Musikkapellen oder Feuerwehrfahrzeugen mit Sirenen laufen, zusätzlich könnten Scheuklappen eingesetzt werden, auch zwischenzeitliches Trinken sei für die Pferde wichtig, rät die Expertin.

„Bei den Viehmarktsumzügen der vergangenen Jahre in Wolfhagen und Hofgeismar waren erfreulicherweise in aller Regel ruhige und gelassene Pferden mit ihren verantwortungsvollen Reitern dabei,“ so Kneißl.

Quelle: HNA

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