Initiative Stolpersteine stößt auf geteilte Resonanz bei Eigentümern

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Setzen sich gegen das Vergessen ein: Die Spangenberger Initiative Stolpersteine vor dem Haus Süß (links), vor dem bereits ein Gedenkstein an die früheren jüdischen Bewohner erinnert. Rechts daneben das Haus Rosenbaum. Vor dem früheren jüdischen Schreibwarenhandel könnte ebenfalls ein Stolperstein gesetzt werden. Von links Dieter Vaupel, Fides Baumgart, Karlheinz Brede, Claudia Schenk und Marion Regenbogen.

Spangenberg. Die Mitglieder der Initiative in Spangenberg wollen einen Parlamentsbeschluss, der kein Einverständnis der Hauseigentümer zum Verlegen von Stolpersteinen voraussetzt.

Die Judenhatz setzte in Spangenberg schon früh ein. Als 1935 ein Erlass verlangte, dass kein arisches Dienstmädchen mehr bei jüdischen Familien arbeiten durfte, wussten die Eltern von Manfred Blumenkrohn, dass sie die Stadt verlassen sollten.

Blumenkrohn, damals zehn Jahre alt, lebt heute als Jechiel Ogdan in einem Altersheim in Israel. Er ist einer der ganz wenigen, die sich heute noch an jene Zeit erinnern können. An die Zeit, in der fast täglich die Jubelmeldung in der Zeitung stand, dass wieder eine jüdische Familie die Stadt verlassen habe. Eine Nachricht, die in Spangenberg wohl oft gefeiert wurde.

Die Juden, die gingen, überlebten. Die die blieben, starben. Die Nazis holten sie, pferchten sie in Viehwagen zusammen und ermordeten sie in Konzentrationslagern.

Die Initiative Stolpersteine will den Opfern des Wahnsinns einen Namen geben. 16 Gedenksteine hat sie in den vergangenen Jahren verlegt, 14 weitere sollen bis zum Spätsommer gesetzt werden.

Dann, sagt Dr. Dieter Vaupel, sollen die insgesamt 30 Steine an jene Frauen, Männer, Kinder erinnern, die es sich einfach bei aller Fantasie und großer Angst dennoch nicht hatten vorstellen können, dass sie von den Schergen des Nationalsozialismus wirklich aus den Häusern ihrer Heimatstadt gezerrt und in Gaskammern umgebracht werden würden.

Dieter Vaupel, Fides Baumgart, Karlheinz Brede, Claudia Schenk und Marion Regenbogen von der Initiative Stolpersteine ist es ein großes Anliegen, dass es auch Jahrzehnte nach dieser finsteren Zeit noch Hinweise auf diese Menschen gibt, dass ihr Name weiter in der Stadt sichtbar bleibt.

Sie haben die Steine in Auftrag gegeben, mit Hilfe von Spenden die Kosten aufgebracht und führen nun viele Gespräche mit den heutigen Eigentümern der Häuser, vor denen sie die Gedenksteine verlegen möchten.

Die Resonanz auf dieses Ansinnen sei sehr unterschiedlich, sagt Dr. Dieter Vaupel. Die einen Spangenberger gäben sofort grünes Licht und jede benötigte Unterstützung, andere zeigten sich eher unwillig und sperrig. Die Initiative muss auf einen Beschluss des Magistrats hin die schriftliche Erlaubnis eines jeden Hauseigentümers einholen, bevor sie einen Stein vor dessen Haustür verlegt.

Wirklich nachvollziehen können die Mitglieder diese Vorgabe der Stadt nicht: "Bei den Bürgersteigen handelt es sich schließlich um öffentliche Flächen", sagt Claudia Schenk. "Da ist es rechtlich eigentlich gar nicht nötig, ein Okay von den Anwohnern einzuholen."

Jetzt hofft die Initiative, dass dieser Beschluss geändert wird und zwar mit den Stimmen aller Stadtverordneten. "Unsere Geschichte betrifft uns alle, nicht nur bestimmte Fraktionen", sagt Karlheinz Brede.

Quelle: HNA

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