Interview zum Thema Integration an Schulen

Interview: "Integration in Borken kein Problem" 

Borken. Schulen und Bildung sind in der Integrationsdebatte wichtige Themen. Wir sprachen mit Heinz Meier, Leiter der Borkener Gustav-Heinemann-Schule, die sich gerade zu einer Integrierten Gesamtschule entwickelt.

Alle reden über Integration. Wie viele ausländische Schüler haben Sie eigentlich an Ihrer Schule?

Heinz Meier: Wir haben elf Prozent ausländische Schüler an der Schule, das macht 67 Schüler in absoluten Zahlen aus.

Und was für Probleme bringt das mit sich?

Meier: Ich denke, dass die Integration unserer Schüler in Borken uns überhaupt kein Problem bereitet. Ungefähr 70 Prozent unserer ausländischen Schüler sind Türken, die zum Teil schon in der 3. oder 4. Generation in Borken wohnen. Alle unsere ausländischen Schüler sprechen hervorragend deutsch, sodass wir von dieser Seite her keine Probleme haben.

Von anderen Schulen hört man manchmal regelrechte Horrorgeschichten. Ist Borken eine Insel der Glückseligen?

Meier: Nein, aber man muss sehen, dass die türkische Gemeinde hier in Borken ein stabiler Faktor ist. Es gibt ja den türkisch-islamischen Kulturverein und die türkisch-islamische Gemeinde, die beide seit vielen Jahren sehr offen sind.

So werden zum Beispiel die Borkener zu vielen Veranstaltungen eingeladen, und das hat zu einer guten Integration beigetragen.

Tut die Gustav-Heinemann-Schule speziell etwas für die Integration?

Meier: Ja. Wir bieten einiges an, wie das Kulturcafé oder einen Stand der ausländischen Eltern beim Schulfest, wo Speisen und Getränke angeboten wurden.

Unsere Kollegin Karin Schmidt fördert die Integration stark. Sie organisiert Elternnachmittage mit ausländischen Müttern in der Schule, wir laden zum Adventskaffeetrinken ein.

Im Jahrgang 5 führen wir am Wochenende Kennenlerntage durch, an denen die Kinder mit ihren Eltern, Großeltern und Tanten eingeladen werden. In der Aula lernen sie sich dabei intensiv kennen. Da kommen auch die ausländischen Eltern mit ihren Kindern.

Wenn man Thilo Sarrazin glauben will, sind Muslime eine besonderes Problem bei der Integration. Wie ist Ihre Einschätzung?

Meier: Das kann ich eigentlich nicht einschätzen, weil wir die Probleme in Borken so nicht kennen. Ob wir da eine Ausnahme sind, kann ich nicht sagen.

Sind die Unterschiede zwischen den Religionen an der Schule überhaupt ein großes Thema?

Meier: Eigentlich nicht. Wir haben ja die Besonderheit in den 5., 6. und 7. Klassen, dass wir Religionsunterricht im Klassenverband erteilen, das heißt, mit den Muslimen zusammen. Wir öffnen uns also auch im Religionsunterricht für die verschiedenen Konfessionen.

Sarrazin spricht ja in seinem Buch von vererbbarer Intelligenz. Ist das nicht für einen Lehrer eine besondere Provokation?

Meier: Diese bevölkerungspolitischen Theorien, die ja vom Ende des 19. Jahrhunderts stammen und Deutschland schon einmal ins Unglück gestürzt haben, sind total unpassend. Wissenschaftlich sind sie überhaupt nicht haltbar.

Aber ist es für einen Lehrer nicht eine besondere Anfechtung? Er müsste doch jeden Schüler grundsätzlich für bildbar halten.

Meier: Gerade in der Offenen Schule Borken haben wir den Anspruch, dass wir jeden Schüler auf ein vernünftiges Ausbildungsniveau bringen wollen. Wir sind überzeugt davon, dass wir durch unsere Methoden Schüler zu sehr qualifizierten Abschlüssen bringen werden.

Sie sind Schulleiter, aber auch SPD-Kommunalpolitiker. Halten Sie das Parteiausschlussverfahren Ihrer Partei gegen Thilo Sarrazin für gerechtfertigt?

Meier: Da stehe ich hinter unserem Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel. Wer sich so mit seinen Theorien verrannt hat, der hat in dieser offenen Partei nichts zu suchen.

Quelle: HNA

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