Geschäft mit Werbe-E-Mails boomt – Opfer meist ahnungslos

Internet-Banden kapern fremde Rechner

Schwalm-Eder. Eine Frau aus Felsberg-Lohre hat in E-Mails Potenzmittel beworben, ohne selbst eine einzige Nachricht verschickt zu haben. Die Werbung flatterte ins Postfach von hundert Freunden, Bekannten und Geschäftspartnern.

Die Frau hat Anzeige erstattet - gegen einen Unbekannten, der auf bislang unbekanntem Weg ihr E-Mail-Konto missbraucht hat. Was für die Internetnutzerin beschämend ist, ist für die Polizei kein Einzelfall.

„Das Versenden von Spam, also massenhaften Werbe-E-Mails im Auftrag dubioser Firmen, ist ein Geschäft, das boomt“, sagt Michael Dornbusch, Leiter des Internetkommissariats im Polizeipräsidium Nordhessen. Um unerkannt zu bleiben, missbrauchen die Täter fremde Adressen. Mindestens zehnmal hat die Polizei im Landkreis in solchen Fällen ermittelt - allein im Vorjahr.

Selten knacken die Täter Passwörter von Benutzerkonten. Laut Polizei gibt es lukrativere Methoden. Nach einer Studie des Software-Herstellers Kapersky bringen Botnetze einen Großteil aller Werbe-E-Mails in Umlauf. Das sind Netzwerke tausender befallener Computer, die Kriminelle fernsteuern. „Sie befehlen den Rechnern zum Beispiel, zigtausende Reklame-Mails zu verschicken“, erklärt Dornbusch. Außerdem könnten Täter dort weitere E-Mail-Adressen stehlen. „In der Regel ahnen die Nutzer nichts“, sagt er. 1,9 Millionen Computer in Deutschland waren laut Microsoft im vergangenen Jahr infiziert.

E-Mail-Missbrauch geschehe aber auch in kleinerem Stil. Wer elektronische Post verschickt, kann den Absender im „Briefkopf“ fälschen. Virenschutz, Systemaktualisierungen und Firewalls könnten zwar manche Atacke abwehrenn. Weder vor Botnetzen noch vor simplen Adressfälschungen gebe es aber einen sicheren Schutz, so Dornbusch: „E-Mail-Nutzer sind dem völlig ausgeliefert.“

www.botfrei.de

Quelle: HNA

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