Interview mit A49-Gegner: "Die Belastungen werden verlagert"

Schwalmstadt. Der Streit um die A49 hat wieder Nahrung bekommen. Der Investitionsrahmenplan des Bundes weist nur den Abschnitt bis Treysa aus - viele wollen die Autobahn jedoch nur, wenn sie endlich durchgebaut wird. Wir sprachen mit einem ausgewiesenen Kritiker über die Situation.

Herr Forst, Sie begleiten den Bau der A 49 seit vielen Jahren als Kritiker, wird sie denn nun gebaut?

Reinhard Forst: Ob und wie weit sie noch gebaut wird, weiß niemand. Baurecht besteht bis Treysa. Gegen den folgenden Abschnitt wird es voraussichtlich eine Klage geben

Sie sind bekanntlich nicht für die Autobahn, was befürworten Sie?

Forst: Ich halte ein regionales Verkehrskonzept mit Ortsumgehungen für sinnvoller. Es liegt als Diskussionsgrundlage vor. Die Straßenplaner dürfen sich aber mit solchen Alternativen, bevor die Autobahn nicht gescheitert ist, nicht befassen.

Was ist es denn, wovor Sie warnen?

Forst: Wenn die Autobahn bis Gemünden durchgebaut wird oder auch nur bis nach Stadtallendorf, wird in großem Umfang Fernverkehr angezogen.

Und wenn lediglich bis Treysa gebaut wird?

Forst: Dann wird der Fernverkehr weitgehend auf A 7 und A 5 bleiben. Nach Angaben der Planer würden nur 5700 Fahrzeuge zwischen Bischhausen und Treysa verkehren, volks- und verkehrswirtschaftlich für eine Autobahn unvertretbar. Bei einem Durchbau der A 49 würde nach den Planfeststellungsunterlagen der Verkehr auf der Wieraer Straße um mehr als 8500 Fahrzeuge zunehmen. Ein Dilemma für Treysa.

Warum sind Sie sonst noch gegen die A 49?

Forst: Die Belastungen für Menschen und Umwelt sind meiner Ansicht nach zu hoch. Ich weise nur auf die Zerstörung des Schwalmtals hin. Was gebaut wird, muss erhalten werden. Wir belasten nachfolgende Generationen. Die vom Wirtschaftsminister herausgestellte C02-Ersparnis beträgt nach Aussagen der Planer 0,07 bzw. 0,2 Prozent. 2006 bis 2008 haben sparsamere Autos das Hundertfache an Ersparnis gebracht.

Denken Sie nicht an die Menschen an der B3?

Forst: Doch, selbstverständlich, nur ergibt es keinen Sinn, Belastungen nur zu verlagern. Deshalb haben wir ja ein regionales Verkehrskonzept vorgelegt.

Die Planer gehen insgesamt von einer Entlastung für die Umwelt aus, was sagen Sie dazu?

Forst: Die Be- und Entlastungen im untergeordneten Straßennetz sind immer noch nicht gegengerechnet worden. Und der Rest? Verlust von Erholungsräumen, Verlust von land- und forstwirtschaftlichen Flächen, die Zerschneidungswirkung und die Belastungen, die von der Autobahn selbst ausgehen. Das soll eine Entlastung für die Umwelt sein?

Aber die neue Autobahn wäre flacher und kürzer.

Forst: Weil aber durch den Bau zusätzlicher Verkehr erzeugt wird und Personen vom öffentlichen Verkehr, etwa der Main-Weser-Bahn, auf das Auto umsteigen werden, kommt es, wie die Planer selbst zeigen, zu keiner Sprit-Einsparung.

Aber sie würde wirtschaftlich etwas bringen.

Forst: Die Behauptungen sind uns bekannt. Wie sieht die Realität aus? Nur ein Beispiel: Der Kreis Marburg-Biedenkopf mit einer autobahnähnlichen Bundesstraße (B3) von Marburg nach Süden hat seit Jahren deutlich weniger Arbeitslose als der Kreis Gießen mit Autobahnen in vier Himmelsrichtungen und der B 3 nach Marburg. Übrigens hat der Wirtschaftsminister selbst darauf hingewiesen, dass die Wachstumsprognosen für Nord- und Mittelhessen besser sind als für Südhessen.

Was meinen Sie denn, wieso der Bau gefordert wird?

Forst: In Wirklichkeit sind es keine rationalen Gründe, die die Politik und Minister Posch antreiben. Ihm geht es, meiner Ansicht nach, um seine persönliche Glaubwürdigkeit in Nordhessen, weil er immer die Autobahn versprochen hat. Das kann ich sogar verstehen.

Wie geht es jetzt weiter?

Forst: Minister Posch wird versuchen, einen Tunnelbau bei Frankenhain vor den nächsten Landtagswahlen, vielleicht noch in diesem Jahr, zu beginnen. Wir werden versuchen, diese Geldverschwendung noch zu verhindern. Das Diakoniezentrum Hephata braucht keine Autobahn und deshalb auch keinen Tunnel.

Quelle: HNA

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