Wünsche weisen den Weg

Interview: Diplom-Psychologin Dorothee Götz-Töpfer über Geschenke

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Schenken kann Freude machen und ist sogar pädagogisch sinnvoll: Kinder lernen gerade in der Weihnachtszeit viel über Vorfreude und das Warten auf Geschenke.

Schwalm-Eder. Das richtige Geschenk unterm Weihnachtsbaum kann bei Kindern viel bewirken. Das meint die Diplom Psychologin Dorothee Götz-Töpfer (56), die die Familien-, Jugend- und Drogenberatungsstelle des Schwalm-Eder-Kreises leitet.

Wünsche spielen in der Adventszeit eine große Rolle, Kinder lernen die Vorfreude auszukosten und können sich sogar beim Beschenktwerden in ihrer Persönlichkeit positiv entwickeln, so die Psychologin.

Was wünschen sie sich, sollten Eltern ihren Kindern schenken?  Dorothee Götz-Töpfer: Ich wünsche mir, dass die Eltern mehr darauf schauen, was die wirklichen Herzenswünsche der Kinder sind.

Woran erkennt man denn einen solchen Herzenswunsch?

Götz-Töpfer: Das sind Wünsche, die Kinder meist über eine längere Zeit hegen. In dem Herzenswunsch steckt immer eine Sehnsucht wie das Kind sein möchte. Sehnsüchte zeigen uns, was wir uns wünschen; Träume können sich dann in konkreten Wünschen äußern. Die Erfüllung dieses Wunsches kann dann die Entwicklung fördern.

Wie kann man sich das vorstellen? 

Götz-Töpfer: Das Kind spürt etwas, wonach es sich sehnt, das ist etwas individuell Inneres. Ein Kind, das sich vielleicht einsam fühlt, und sich beispielsweise ein Meerschweinchen wünscht, möchte unbedingt etwas zu haben, für das es Verantwortung übernehmen kann, um das es sich ganz alleine kümmern möchte. Wenn es das bekommt und dann damit eine positive Erfahrung macht, ein Erfolgserlebnis hat, dann fördert das seine Entwicklung.

Welche Rolle spielt dabei die Überraschung, kann man diese Herzenswünsche als Eltern auch erspüren ?

Götz-Töpfer: Das ist dann die hohe Schule. Wenn das Kind etwas geschenkt bekommt, das so stark auf seine ne Bedürfnisse abgestimmt ist, und dann noch nicht bestellt ist, merkt es noch zusätzlich, dass es seine Eltern wirklich fürsorglich beobachten und wissen, was in ihm vorgeht. Das fühlt sich super an. Der andere weiß, was ich wirklich brauche. Dann fühlt sich das Kind geliebt.

Hat auch das Warten auf die Geschenke zu Weihnachten eine Bedeutung?

Götz-Töpfer: Wenn Warten zur Vorfreude wird, liegt der pädagogische Nutzen auf der Hand. Was gibt es Schöneres als Freude, und die kann sich in der dunklen Jahreszeit gerade in der Adventszeit über vier Wochen hinaus ziehen und so die Tage schöner machen.

Welche Rolle spielen Rituale wie Adventskalender und Lichter auf dem Kranz dabei?

Götz-Töpfer: Die Türchen am Adventskalender etwa helfen bei der Vorfreude. Sie zeigen jeden Tag, das Ziel kommt ein Stück näher. Die Kinder machen gute Erfahrungen beim Warten. Nie kann man so schön warten lernen wie im Advent. Das ist auch dafür gut den Belohnungsaufschub zu lernen.

Was ist der Belohnungsaufschub und wofür ist er wichtig?

Götz-Töpfer: Die Kinder lernen in dieser Zeit, sich zurück zu nehmen und nicht immer gleich das zu bekommen, was man möchte. Menschen, die es gut aushalten können, etwas nicht sofort zu bekommen, kommen im Leben meist leichter durch, da bekommt man ja auch nicht alles und muss oft länger warten.

Was ist mit der Anzahl der Geschenke, gibt es dabei etwas in diesem Zusammenhang zu beachten?

Götz-Töpfer: Ich finde, man sollte lieber weniger schenken, nicht noch etwas dazu tun. Weniger ist da oft auch mehr, sonst gehen die wirklich wichtigen Geschenke unter. Wir sollten alle das Päckchen ein bisschen kleiner machen.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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