Interview:  Emmeluth-Diehl rät dazu, in Ruhe Abschied zu nehmen

Heike Emmeluth-Diehl

Trauer ist ein Thema, dass vermutlich jeden Menschen irgendwann beschäftigt. Wie man mit dem Verlust eines geliebten Menschen umgeht, und was sich in der Bestattungskultur getan hat, erklärt Expertin Heike Emmeluth-Diehl im Interview.

Was hat sich nach Ihrer Erfahrung in den zurückliegenden Jahren am meisten in der Bestattungskultur geändert?

Heike Emmeluth-Diehl: Das ist ganz eindeutig die häufige Wahl von Rasengrab und Einäscherung. Vielen ist es wichtig, ihre Angehörigen nicht mit der Grabpflege zu belasten, besonders wenn sie selbst in ihrem Leben sehr mit der Arbeit auf dem Friedhof eingespannt waren.

Gilt das auch für die Menschen in den kleinen Dörfern?

Emmeluth-Diehl: Ja, die Dörfer sind bei dem Trend zum Rasengrab Vorreiter. Pflegeleichte Gräber sollen es sein.

Verfügen die Menschen, wie sie einmal beigesetzt werden möchten?

Emmeluth-Diehl: Ja, vor allem, um ihren Angehörigen Arbeit zu ersparen. Wenn man das möchte, sollte man eine enstprechende Verfügung ins Stammbuch legen, wo sie dann auch rechtzeitig gefunden wird. Man kann sie auch beim Bestatter hinterlegen.

Die Angehörigen sind oft erleichtert, wenn sie solch ein Papier vorfinden, als Titel kann man darüber schreiben: Wie ich mir meine Beerdigung oder Trauerfeier vorstelle. Auch vertraute Lieder oder Psalmen bestimmen manche für die Zeremonie.

Ist das schon allgemein üblich?

Emmeluth-Diehl: Nicht üblich, aber ich erlebe das in jüngster Zeit immer öfter.

Registrieren Sie heute oft den Wunsch nach Friedwaldbestattung?

Emmeluth-Diehl: Die Frage nach dem Friedwald ist durch die aktuelle Berichterstattung in vielen Medien auf jeden Fall da. Ich informiere aber über alle Möglichkeiten, für manche ist ein Rasengrab vor Ort, in der Regel mit der Urne, eine Alternative, weil keine Grabpflege anfällt, aber das Grab einfacher besucht werden kann. Die Friedwaldbestattung kommt aber bei uns einige Male im Jahr vor. Auch Seebestattungen haben wir jährlich ein oder zwei Mal.

Wäre ein Rasengrab in vielen Fällen die richtige Entscheidung?

Emmeluth-Diehl: Das kann man so nicht sagen. Es gibt auch Menschen, die von sich selbst überrascht werden, weil sie eben doch auf dem Grab des Verstorbenen etwas niederlegen möchten und ein großes Pflegebedürfnis verspüren. Sie vermissen ein Urnen- oder Erdgrab.

Wie beurteilen Sie die kommende Entwicklung?

Emmeluth-Diehl: Einäscherungen werden sicher weiter zunehmen.

Mancherorts sind Doppelgräber nicht mehr möglich, wird das beklagt?

Emmeluth-Diehl: Die meisten akzeptieren das. Oft sieht die Lösung so aus, dass der Partner, der später stirbt, eine Urnenbeisetzung im Einzelgrab des anderen wünscht.

Ist es Ihnen schon passiert, dass Angehörige die Urne mit nach Hause nehmen wollten?

Emmeluth-Diehl: Ja, einige fragen danach, aber in Deutschland herrscht Bestattungszwang, das ist nicht erlaubt.

Sie müssten registrieren, dass mehr Menschen konfessionslos sterben?

Emmeluth-Diehl: Richtig. Wir arbeiten mit einer bewährten Trauerrednerin zusammen, die die Beisetzungsfeier nach Wunsch würdevoll gestaltet. Des öfteren sind Pfarrer aber durchaus bereit, eine Trauerfeier für die Angehörigen zu halten, die eigentliche Beisetzung wird dann ohne den Geistlichen vollzogen.

Was möchten Sie mit Ihrer langen Berufserfahrung Angehörigen für die Bewältigung ihres Trauerfalls raten?

Emmeluth-Diehl: Ich finde es oftmals schade, wenn sich wenig Zeit genommen wird, um in Ruhe Abschied zu nehmen. Ich biete das immer an, es kann auch nach der Einbettung in unserem Abschiedsraum geschehen. Viele Pfarrer bieten die Möglichkeit der Aussegnung an. Aber die meisten Familien ziehen es vor, dass der Tote innerhalb weniger Stunden aus dem Haus gebracht wird. Als mein heute 80-jähriger Vater mit seiner Arbeit als Bestatter begann, wurden hingegen noch viele Tote zu Hause aufgebahrt.

Zur Person

Heike Emmeluth-Diehl (50) aus Ziegenhain ist Kauffrau und hat nach Lehrgängen 1989 die Bestatterprüfung abgelegt. Auf Einladung referiert sie bei Gruppentreffen oder leitet Exkursionen zum Thema Tod und Bestattung, beispielsweise ins Krematorium Schwarzenborn.

Quelle: HNA

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