Interview mit dem „Igel-Flüsterer“ Rüdiger Rister aus Zierenberg

Stachelritter „Paulchen“ unter Aufsicht und Pflege von Rüdiger Rister: In der „Igel–Arche“ genesen kranke, verletzte oder verwaiste Tiere, um im nächsten Jahr wieder ausgewildert zu werden. Foto: mt

Zierenberg. Die Igel-Arche in Zierenberg kümmert sich um kranke und verletzte Igel, aber auch um solche, die allein nicht durch den Winter kommen. Rüdiger Rister hat 15 Jahre Erfahrung mit den stacheligen Geschöpfen. Wir haben mit ihm gesprochen.

Der Igel gehört erdgeschichtlich zu den ältesten noch existierenden Säugetieren. Durch Veränderung der Lebensräume und Verknappung der Nahrung ist seine Art jedoch zunehmend gefährdet. In einigen europäischen Ländern steht der Igel bereits auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. Eingriffe des Menschen in die Natur zerstören zunehmend die Lebensräume der kleinen Stachelritter. Die in Deutschland vorkommenden Braunbrust-Igel sind zwar nicht direkt vom Aussterben bedroht; ihre Bestandsdichte ist jedoch rückläufig.

Rüdiger Rister von der Zierenberger „Igel-Arche“ bestätigt diese Tendenz und erklärt den Ernst der Lage.

Obwohl Igel in Deutschland durch das Bundesnaturschutzgesetz ganzjährig geschützt sind, nimmt ihre Population stetig ab. Wie ist das zu erklären?

Rüdiger Rister: Berücksichtigt man, dass die Zahlen dieser „Roten Liste“ in Hessen etwa elf Jahre alt sind und nur auf ungefähren Schätzungen der Kreisämter basieren, kann man davon ausgehen, dass die eigentlichen Bestandszahlen noch viel geringer sind.

Das liegt zum einen daran, dass die Jungensterblichkeit der Igel generell sehr hoch ist und vom Menschen verursachte Gefahren die Sterberate zusätzlich erhöhen. So bieten zum Beispiel aufgeräumte Landschaften keinen Unterschlupf für die Tiere und von Straßen zerschnittene Landstriche führen zur Isolation von Igelpopulationen. Zusätzlich tötet der Straßenverkehr jedes Jahr sichtbar tausende Tiere.

Deshalb stehen sie als bedrohte Tierart unter Naturschutz. Im Gegensatz zu Deutschland belegen britische Studien, durch langjährige Zählungen, dass die Tiere bis zum Jahre 2025 ausgestorben sind - wenn sich die Situation nicht ändert.

Wie kann diese Entwicklung gestoppt werden?

Rister: In erster Linie sollte man keine Gifte im Garten einsetzen. Gärten gehören zu den wichtigsten Lebensräumen des Igels. Ein naturnah gestalteter Garten mit Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten ist daher oft die beste Igelhilfe. Um gute Bedingungen für eine erfolgreiche Überwinterung zu schaffen, kann man zusätzlich noch Igelhäuser aufstellen. Für weniger begabte Bastler gibt es im Handel bereits fertige Igelhäuser. Auch die abendliche Zufütterung im Herbst hilft den Tieren. Katzendosenfutter bietet sich als Nahrungsgrundlage an. Dazu täglich frisches Wasser - niemals Milch.

Durch die rechtzeitige Einrichtung einer Futterstelle in den nahrungsarmen Jahreszeiten erübrigt es sich oft, untergewichtige Igel in menschliche Obhut zu nehmen.

Woran erkennt man hilfsbedürftige Igel?

Rister: Nur der Igel, der ein Problem hat, sucht die Nähe des Menschen. Rennt das Tier weg, geht es ihm gut. Kranke Igel hingegen wirken apathisch, rollen sich bei drohender Gefahr nicht ein und fauchen nicht. Auch Igel, die nach Wintereinbruch noch am Tage umher laufen, sollten beobachtet werden. Findet man einen Wurf Igelbabys, sollte man nicht zu lange warten, sondern die Kleinen sofort mitnehmen.

Welche Schritte sind dann einzuleiten?

Rister: Wer hilfsbedürftige Igel oder gar verwaiste Igel-säuglinge findet, sollte keine Berührungsängste haben, die Tiere vorsichtig in ein Behältnis mit Zeitungspapier setzen und kontrollieren, ob Verletzungen, Fliegeneier oder Maden zu sehen sind. Bei Unterkühlungen hilft als lebensrettende Sofortmaßnahme eine Wärmflasche. Danach sollte möglichst schnell ein Tierarzt oder eine Igelpflegestation aufgesucht werden. Für Notfälle ist die „Igel-Arche“ rund um die Uhr erreichbar.

Quelle: HNA

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