Interview: Pastor Jörg Enners über die Auferstehung Jesu und den Glauben

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Jörg Enners

Bad Zwesten. Ostern ist das höchste Fest aller Christen, auch in Freien evangelischen Gemeinden. Zu dieser Gemeinschaft gehören Menschen, die an die lebendige Person Jesus glauben. Über die Bedeutung der Auferstehung Christi, die Ostern gefeiert wird, sprachen wir mit Pastor Jörg Enners, der in Bad Zwesten die Freie evangelische Gemeinde führt.

Was ist für Sie das Außergewöhnliche an der Ostergeschichte, warum ist sie wichtiger als Weihnachten?

Pastor Jörg Enners: Natürlich hängen Weihnachten, Karfreitag und Ostern zusammen. Alle Feste haben mit Jesus Christus zu tun. Dass ein Kind geboren wird, war auch vor 2000 Jahren nicht ungewöhnlich, dass jemand stirbt, auch nicht, obwohl sich der Tod Jesu schon von anderen abhebt. Er fiel einem Komplott zum Opfer.

Aber dass ein Mensch aufersteht und nach dem Tod weiter lebt, das war nun wirklich neu. Wenn das nichts Besonderes ist, weiß ich nicht, was es sonst sein kann.

Auch die Jünger Jesu konnten das zunächst nicht glauben. Sie hatten nicht damit gerechnet, dass er aufersteht, auch wenn er es ihnen vorher prophezeit hatte. Übrigens gibt es dafür Belege, über 500 Zeugen haben ihn nach dem Tod gesehen.

Also ist Ostern das Wunder?

Zur Person: Jörg Enners

Jörg Enners (62) ist Pastor der Freien evangelischen Gemeinde in Bad Zwesten und Braunau. Er betreut dort seit etwa zehn Jahren 70 Gemeindemitglieder. Enners ist verheiratet, hat vier erwachsene Kinder und sechs Enkel. Er wurde in Pohlheim bei Gießen geboren und war neben seiner Tätigkeit als Pastor als Mitarbeiter eines Missionsbüros auch im Ausland tätig.

Enners: Dass da einer nach dem Tod lebendig wird, sich zeigt, erfahrbar wird, sich diese Geschichte 2000 Jahr lang hält und weiter verbreitet wird, weltweit immer mehr Anhänger gewinnt – ja, das ist sicher ein Teil des Wunders. Die Tatsache der Auferstehung Christi ist für Christen der große Trost.

Ist einer der größten Ängste der Menschen, die vor dem Tod?

Enners: Natürlich. Der eigene Tod oder der von unseren Lieben, das beschäftigt uns alle mehr oder weniger in verschiedenen Lebensphasen. Niemand weiß schließlich, was dann kommt. Aber wir können daran glauben, dass es so ist wie bei Jesus.

Das Leben ist nicht zu Ende, es geht in einer anderen Form weiter. Und zwar deshalb, weil Jesus als Erster den Tod besiegt hat. So lesen wir es in der Bibel. Und wer an ihn glaubt, der lebt weiter.

So genau weiß man es aber nicht? 

Enners: Beweisen kann ich es nicht. Aber ich weiß, dass es wahr ist, weil ich Jesus vertraue. Das ist es: Es geht um den Glauben. Er wird zur Gewissheit, zu einer Überzeugung. Das ist das Geheimnis und die Kraft des Glaubens.

Und das ist für Sie das wesentliche Element des Christentums?

Hintergrund: Eine persönliche Entscheidung

Freie evangelische Gemeinden leiten ihr Selbstverständnis vom Neuen Testament ab.

Danach gehören zur Gemeinde Jesu nur solche, die eine persönliche Glaubensentscheidung für die Nachfolge Jesu getroffen haben. Die Christen dieser Gemeinschaft fühlen sich besonders mit allen Menschen verbunden, die sich ebenfalls zu Jesus Christus als dem Herrn bekennen.

Enners: Ja. Ich glaube wirklich, dass Jesus Christus auferstanden und lebendig ist, und dass er unsichtbar hier ist und uns gerade zuhört. Das ist für mich ganz konkret und der Pfeiler meines christlichen Bekenntnisses. Er weiß, was richtig ist und führt uns auf unserem Weg, wie es in der Bibel heißt. Christ sein bedeutet: „Ich habe eine persönliche Beziehung zu Jesus, er hat etwas mit mir zu tun.“

Gibt es denn noch andere Beziehungen zum Glauben?

Enners: Es gibt sicher viele Menschen, die eine eher traditionelle Beziehung zum Christsein haben, vielleicht weil das in der Familie schon immer so war. Bei mir war das ähnlich, bis ich 14 war. Dann habe ich für mich entschieden: Ich kann mich nicht auf die religiöse Überzeugung meiner Eltern verlassen. Ich brauche eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus. Ab da änderte sich der Glaube für mich. Christ sein ist weniger Schein. Christ sein ist Beziehung. Jesus ist für mich lebendig. Und ohne die Ostergeschichte gäbe es das nicht.

Also weil er von den Toten auferstanden ist und lebt, wie es zu Ostern gefeiert wird?

Enners: Ja, genau. Ich glaube, dass alles genauso war, und dass er heute lebt. Es ist für mich und für uns Christen eine lebendige Tatsache, dass Jesus mitten unter uns ist, da wird nichts abstrahiert. Ostern gibt den Menschen schon hier im Leben Trost und bringt uns das Wunder des ewigen Lebens ins Bewusstsein.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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