Streit in Flüchtlingswohnheim Gasterfeld beschäftigt Schwurgericcht

Iraker sieht sich als Opfer, nicht als Täter

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Muss sich wegen Verdacht des versuchten Totschlags verantworten: Der Iraker aus der Flüchtlingsanlage Gasterfeld (rechts), neben ihm der Dolmetscher.  

Kassel/Gasterfeld. Hier sitzt der Falsche auf der Anklagebank, nicht der Täter, sondern das Opfer. Das ist die Darstellung des Angeklagten, der sich seit Montag vor dem Landgericht Kassel wegen des Verdachts des versuchten Totschlags verantworten muss.

Der 25-jährige Iraker soll laut Anklage der Staatsanwaltschaft im Januar dieses Jahres in einem Flüchtlingswohnheim in Gasterfeld einen Mitbewohner mit dem Tode bedroht haben, einem anderen ein Glas gegen den Kopf geschlagen und zwei Männer mit einem Küchenmesser leicht verletzt haben. Ein weiterer Mann habe nur durch eine schnelle Bewegung dem Angriff mit dem Messer und einem Stich in den Bauch ausweichen können. Dieser Vorwurf begründet den Verdacht des versuchten Totschlags.

Aber: „Es stimmt vieles nicht, was in der Anklage steht“, sagte der 25-jährige Iraker am ersten von sieben anberaumten Verhandlungstagen. „Alles, was ich wollte war mich zu verteidigen“, übersetzte der Dolmetscher die Rechtfertigung des jungen Mannes. Ruhig und sehr klar antwortete dieser auf die Fragen des Vorsitzenden Richters Volker Mütze und schilderte eine ganz andere Version des Geschehens.

Er habe mit einem Freund im Wohnheim viel Alkohol getrunken an jenem Abend. Eine Literflasche Schnaps zu zweit und dazu noch Bier. Dann sei er in Streit geraten mit einem Mitbewohner, der über ihn gelacht und ihn beleidigt habe mit den Worten: „Du bist doch kein Mensch.“ Danach habe dieser angefangen ihn zu schlagen. „Ich hatte keine andere Wahl, als das Messer zu nehmen. Sie waren zu fünft, und ich war allein.“

Wenig Klarheit brachte die Zeugenaussage des Freundes, mit dem der Angeklagte gezecht hatte. In einer mehr als einstündigen mühevollen Befragung wiederholte dieser immer wieder entschuldigend: „Ich kann mich nicht erinnern.“ Grund für die ungehaltene Mutmaßung der Staatsanwältin: „Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie den Angeklagten schützen wollen.“

Quelle: HNA

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