Kultur vor Ort: Kabarettist Clajo Herrmann trat am Samstag in der Hospitalskapelle auf

Mit Ironie älter werden

Wortreich, schnell und skurril: Der Frankfurter Clajo Herrmann begeisterte mit seinem Kabarettprogramm die Zuhörer in Treysa. Foto: Rose

Treysa. Clajo Herrmann ist 58, war 20 Jahr lang Gemeindepfarrer – und ist traumatisiert. Damit er das nicht alles seinem Therapeuten erzählen muss, tut das der gebürtige Frankfurter seit vielen Jahren auf der Bühne: als Kabarettist. Herrmann trat auf Initiative des Vereins Kultur vor Ort am Samstag in der Hospitalskapelle in Treysa auf. Mit seinem Programm „Älter werden, ohne den Unmut zu verlieren - Ein Mann in der zweiten midlife crisis“.

Es ist das Maß des eigenen Verfalls, vom dem der 58-Jährige im munteren Plauderton „babbelt“. Nachweislich lacht der Nordhesse erst ein wenig später, dann aber von Herzen. Der Südhesse schwätzt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Seine Wortspiele sind schnell, skurril, seine Analysen menschlicher Unzulänglichkeiten messerscharf – aber nie unter der Gürtellinie. Hermann parliert aus dem Nähkästchen. Pfarrer sei er häufig in richtig kleinen Dörfern gewesen: „Wo alles Inzucht und Ordnung ist.“ Und stellt klar: „Früher gab es nur Männer im Kirchenvorstand. Heute wird da richtig geschafft – da musst du eine Frau nehmen.“ Häufig habe er Männer beobachtet, die vier Stunden an derselben Stelle gestanden hätten, während die Frauen Stühle stellten und Tische schmückten. „Nur, um dann hinterher sagen: Ich hätte es anders gemacht.“

Szenen aus der Bibel transportiert er locker in den Alltag: „Mose war der Guinessbuchrekordhalter für Reiseleitung und Umzugslogistik.“ Ohne mit der Wimper zu zucken ist er beim Umzug der Freundin: „Es gilt das Eisbergprinzip – die Masse ist im Keller.“ Da schließen sich bahnbrechende männlich-analytische Überlegungen an: „Darum leben Frauen länger. Weil sie die Einparkzeit angerechnet bekommen.“ Und wieder zurück zur Bibel: „Jesus war das erste Kind, das schon mit seiner Geburt Anspruch auf einen Krippenplatz hatte.“

Kinder, die findet Herrmann wichtig: „Aber im Urlaub kann man auf wichtiges verzichten.“ Dafür irritieren ihn die „kleinen Drecksäcke“ zu sehr. „Die sitzen am selben Tisch, jeder einen Laptop vor sich und schreiben sich Emails. Als sie das merken, sagen sie: Wir nehmen das Handy.“ Forscher hätten heraus gefunden, dass Vierjährige 400 Fragen am Tag stellten: „Terrorismus in einer wenig erforschten Form.“

Deshalb zieht Herrmann das Navi vor: Lisa. „Die ist sehr fromm. Sie sagt immer: Kehren Sie um.“ Auch mit dem Computer hat der Frankfurter so seine Probleme. „Der sagt mir, ich soll mich abmelden. Da tue nicht mal mehr bei meiner Mutter.“ Überhaupt sei das Älterwerden unerfreulich. Zum Geburtstag gäbe es nützliche Geschenke: „Feinripp – damit die Depression eine Richtung hat.“ Der Mann mit 50 habe die Mutti quasi im Rückenmark. Freundliche Worte findet er für die Katholiken, „die Marktführer“: „Die haben eine neue Zahleinheit. 31 Millionen sind ein Tebartz.“

Herrmanns Programm kam an: Witzig, wortreich, spritzig und bisweilen deftig unterhielt er selbst die Nordhessen. „Ich mache immer eine Zugabe. Entweder um Sie zu belohnen oder zu bestrafen“, verabschiedete er sich. Es gab langen, begeisterten Applaus.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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