In Istha und Oelshausen können Verstorbene an Bäumen bestattet werden

Friedhain in Istha: Bislang wurde die Urne mit der Asche eines Verstorbenen am Fuße einer Eiche beigesetzt. Pfarrer Wolfgang Hanske rechnet fest damit, dass das alternative Bestattungsangebot immer stärker angenommen wird. Foto: Thon

Istha/Oelshausen. Kein Grabstein, kein Blumenschmuck. Nur ein kleines Messingschild mit dem Namen erinnert an den Verstorbenen.

Die Friedhöfe in Istha und Oelshausen bieten eine Form der Bestattung an, wie sie bislang im Wolfhager Land einmalig ist. In Istha gibt es unter alten Kastanien, Birken und Eichen einen kleinen Friedhain; in Oelshausen wurde eine Eiche gepflanzt, an deren Wurzeln eine Urne mit der Asche des Verstorbenen beigesetzt werden kann.

Als vor einigen Jahren Friedwälder und Ruheforste entstanden, in denen immer mehr Menschen ihre letzte Ruhestätte fanden, sah sich Wolfgang Hanske in Zugzwang. Der Pfarrer im Kirchspiel Istha/Oelshausen fand die Idee der alternativen Bestattung in einem Wald gut, erkannte aber auch die Probleme, denen sich die Menschen gegenüber sehen.

„Wie kommt der hinterbliebene Partner von Istha beispielsweise in den Friedwald im Reinhardswald?“ Alte Menschen seien weniger mobil, könnten oftmals nicht mehr lange laufen und benutzten einen Rollator. Auf Waldwegen werde der Gang zum Baum des Verstorbenen dann beschwerlich. „Also haben wir uns vor etwa fünf Jahren entschieden, ein ähnliches Angebot in Oelshausen und Istha zu schaffen“, sagt Hanske. Es habe eine Weile gedauert, bis er den ersten Verstorbenen im Friedhain besetzen konnte. „Auf dem Dorf benötigen die Dinge manchmal ein bisschen mehr Zeit.“

Das Interesse wächst 

Das sei nach Einführung der Rasengräber genauso gewesen. Inzwischen ist es die Bestattungsform, für die sich die Angehörigen eines Toten am häufigsten entscheiden würden. Der Anteil der Rasengräber liegt bei 70 Prozent. Hanske geht davon aus, dass die Entwicklung beim Friedhain ähnlich sein wird und sich in den nächsten Jahren mehr Menschen eine minimalistische Begräbnisstätte wünschen. Bereits jetzt gebe es Interessensbekundungen. Schon zu Lebzeiten kann man sich im Friedhain oder an der Eiche in Oelshausen einen Ort aussuchen, an dem die Asche beigesetzt werden soll. Die Asche wird in eine kompostierbare Urne gegeben, die sich nach kurzer Zeit im Boden zersetzt. Es sei ein tröstlicher Gedanke, dass der Verstorbene im Wechsel der Jahreszeiten durch den Baum weiterlebe.

„Das Grab ist für Hinterbliebene ein wichtiger Ort“, weiß Pfarrer Hanske aus seiner Erfahrung. Er findet es gut, dass das Angebot der Bestattungsformen immer breiter wird. Die Menschen bräuchten einen Ort zum trauern, der zu ihnen passt. Info: Kosten Friedhain Istha: 520 Euro, Unter der Eiche Oelshausen: 530 Euro.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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